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"Es sieht so aus, als würden wir allmählich verlieren"
Aktualisiert am 26.08.2026 - 09:50 UhrLesedauer: 3 Min.

Ex-Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow forderte trotz des Kriegs Wahlen und eine Bekämpfung der Korruption im Land. (Archivbild) (Quelle: Kay Nietfeld/dpa/dpa-bilder)
Der entlassene Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow sieht sein Land an einem Wendepunkt. Kiew habe nur wenige Monate, um Versäumnisse zu korrigieren.
Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hat vor einer schleichenden Niederlage seines Landes im Krieg gegen Russland gewarnt. Die Ukraine müsse innerhalb weniger Monate entscheidende Veränderungen einleiten, sagte er am Montag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters in Kiew.
Fedorow gehörte lange zum engsten politischen Umfeld von Präsident Wolodymyr Selenskyj und leitete zuvor das Ministerium für digitale Transformation. Als Verteidigungsminister versprach er einen grundlegenden Umbau des Ministeriums, geriet aber mit ranghohen Generälen über Strategie und Beschaffung aneinander. Nach nur sechs Monaten im Amt wurde er im Juli entlassen. Die Entscheidung löste Proteste in Kiew und anderen ukrainischen Städten aus.
Ex-Minister pocht auf schnelle Anpassung der Kriegsstrategie
Mychajlo Fedorows Einschätzung zur aktuellen Kriegssituation weicht deutlich von der offiziellen Darstellung der Regierung ab. Laut ihm steht die Ukraine an einem Wendepunkt, der den weiteren Weg des Landes bestimmen werde, "aber es sieht so aus, als würden wir allmählich verlieren."
Noch habe die Ukraine jede Chance, den Krieg zu gewinnen. Dafür brauche sie jedoch dringend einen Plan, wie die Kämpfe beendet werden könnten. Russland erobert aktuell weniger Gelände als im vergangenen Jahr, gleichzeitig rückt Putins Armee im Donbass aber weiter langsam vor. Fedorow führte die aus seiner Sicht gefährliche Entwicklung auf fehlende Innovationskraft, Korruption, Patronagenetzwerke und politisch abhängige staatliche Institutionen zurück.
Das ukrainische Präsidentenamt wies seine Kritik zurück: Während seiner Zeit als Minister habe Fedorow die Kriegsführung positiv bewertet. Geändert habe sich lediglich seine persönliche Einstellung.
Russland greift ukrainische Fabriken und Lagerhäuser jeden Monat mit Dutzenden ballistischen Raketen an. Den größten Teil davon kann die Ukraine laut Reuters nicht abfangen, weil die dafür benötigten Abwehrraketen knapp sind. Kiew wiederum hat seine Drohnen- und Raketenangriffe auf Ziele tief in Russland ausgeweitet und dabei unter anderem Rüstungsbetriebe und Ölraffinerien getroffen.
Fedorow setzt auf autonome Waffen
Für die weitere Verteidigung des Landes fordert Fedorow eine eng verzahnte Technologiestrategie. Die Ukraine müsse autonome, von künstlicher Intelligenz gesteuerte Drohnen entwickeln, günstige Abfangraketen in großer Zahl produzieren und ihr eigenes Programm für ballistische Raketen vorantreiben.


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