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Russland: BND-Chef sieht Gefahr eines »gewaltsamen Konflikts mit Russland«

9 hours ago 1

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BND-Präsident Martin Jäger sieht in Russland »unseren gefährlichsten Gegner«. Deutschland werde in Moskau als Haupthindernis für eine expansive Politik betrachtet.

Quelle: DIE ZEIT, AFP, Aktualisiert am 5. Oktober 2026, 11:17 Uhr

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BND Martin Jäger Russland Konflikt Gefahr
Der Chef des Bundesnachrichtendienstes, Martin Jäger, im September 2025 © Liesa Johannssen/​Reuters

Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Martin Jäger, warnt vor einer möglichen gewaltsamen Konfrontation mit Russland. »Die Konfrontation, in der wir mit Russland stehen, hat eine neue, gefährlichere Qualität«, sagte Jäger in einer öffentlichen Anhörung vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags. »Deutschland ist in Gefahr, in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland zu geraten.« Russland bezeichnete er als »unseren gefährlichsten Gegner«.

»Nicht wir haben diese Konfrontation gesucht, Russland drängt sie uns auf«, sagte Jäger. Der Grund dafür sei, dass Deutschland »Russlands revisionistisch-expansive Politik« und den Krieg gegen die Ukraine nicht hinnehme, »weil wir der russischen Einschüchterung unserer Bündnispartner im Baltikum und anderswo in Europa entgegentreten«. Von der Führung in Moskau werde Deutschland deswegen als »Haupthindernis russischer hegemonialer Machtprojektion in Europa« betrachtet und werde dadurch »zur Zielfläche russischen Handelns«.

Der Anschlagsversuch vom Leipziger Flughafen, bei dem mutmaßlich mehrere mit Sprengstoff beladene Drohnen ein dort geparktes ukrainisches Transportflugzeug hätten treffen sollen, sei »nur ein Beispiel« für Aktivitäten russischer Geheimdienste, die »in und gegen Deutschland« stattfänden. »Die russischen Geheimdienste agieren hochprofessionell und rücksichtslos. Die Gefahr von Anschlägen gegen Ziele in Deutschland ist weiter real und gegenwärtig.«

BND erwartet Angriffe auf Militärhilfen für Ukraine

Dazu stehe nicht im Widerspruch, dass Russland in der Ukraine in einer schlechten Position sei, sagte Jäger. »Russland verzehrt seine Substanz. Und Präsident (Wladimir) Putin ist über den Punkt hinaus, wo er den Angriff auf die Ukraine einfach einstellen könnte, ohne seine Machtbasis im Inneren zu gefährden.« Das setze Russland unter Zugzwang, bedeute aber »keineswegs Kopflosigkeit« in Moskau, warnte der BND‑Chef. Russland wisse um seine Schwächen und kompensiere sie »durch Entschlossenheit und Risikobereitschaft«. Russland handle »in der Annahme, dass wir russischem Druck und russischer Einschüchterung letztlich nicht standhalten werden«.

Derzeit bedeute das unter anderem eine Eskalation der Kriegführung gegen die Ukraine, die schon seit dem Sommer zu beobachten sei, sagte Jäger. Zugleich seien auch Partnerländer des angegriffenen Staates betroffen und könnten Ziel von gewaltsamen Aktionen werden: Russland versuche, Waffenlieferungen an die Ukraine zu unterbinden, »auch kinetisch, auch bei uns«. Auch politisch ziele Russland darauf, die Unterstützung für die Ukraine zu brechen.

»Niedrigschwellige militärische Aktivitäten« im Baltikum laut BND möglich

»Wir müssen uns auf Einschüchterungsversuche und weitere Einmischungen einstellen«, sagte Jäger. »Vermutlich wird es auch erneut nukleare Drohungen geben. Dem müssen wir standhalten.« Jäger warnte davor, sich einschüchtern zu lassen: »Russland stellt uns auf die Probe und beobachtet genau, wie wir mit dieser Situation umgehen«, sagte er. »Jedes Zeichen von Wankelmut lädt aus Sicht der Führung im Kreml dazu ein, den Druck auf Deutschland weiter zu erhöhen.«

Eine akute Gefahr größerer Angriffe auf Nato-Gebiet sehe er derzeit nicht, sagte Jäger. »Allerdings könnte es insbesondere im Baltikum zu niedrigschwelligen militärischen Aktivitäten Russlands kommen. Und in diesem Kontext lassen sich auch False-Flag-Operationen nicht ausschließen.« Das russische Vorgehen bezeichnete der BND-Präsident als »Schattenkrieg gegen uns«, der sich »nicht mit herkömmlichen militärischen oder rechtlichen Kategorien« fassen lasse.

Militärischer Abschirmdienst warnt vor Extremismus in der Bundeswehr

Neben Jäger warnte auch MAD-Chefin Martina Rosenberg vor »ganz konkreten Angriffen« auf Deutschland und verwies dabei ebenfalls auf den Anschlagsversuch von Leipzig sowie auf Desinformationskampagnen. Dies diene dazu, »das Vertrauen der Menschen in die Abwehrfähigkeit unseres Staates zu erschüttern, Unsicherheit zu verbreiten (…) und schlussendlich die Gesellschaft zu spalten und demokratische Strukturen anzugreifen«, sagte Rosenberg.

An diesen Angriffen seien nicht nur ausländische Nachrichtendienste, sondern auch »Extremisten« beteiligt. »Diese Entwicklung macht auch vor der Bundeswehr nicht halt«, warnte Rosenberg. Ihre Behörde habe im vergangenen Jahr einen Anstieg von Extremismus-Verdachtsfällen innerhalb der Streitkräfte verzeichnet. »Wir nehmen jeden Hinweis auf Extremismus sehr ernst und gehen jedem Verdacht nach, mit dem Ziel, Extremisten und Personen ohne Verfassungstreue aus der Bundeswehr zu entfernen.«

BND und MAD werben für geplante Geheimdienstreform

Jäger und Rosenberg vernüpften ihre Warnungen mit einem Plädoyer für die geplante Reform der Nachrichtendienste, die den Sicherheitsbehörden mehr Befugnisse zuweist. »Es ist uns ernst damit, Deutschlands erste Verteidigungslinie zu sein«, sagte BND-Chef Jäger. Auch die von der Reform vorgesehene Vereinheitlichung der Kontrolle über die Geheimdienste »begrüßen wir«.

Ähnlich äußerte sich Rosenberg: Das bislang gültige MAD-Gesetz aus dem Jahr 2004 könne der seitdem erfolgten technologischen Entwicklung, vor allem im digitalen Raum, und den daraus entstehenden Bedrohungen nicht mehr gerecht werden, sagte sie. »Die Möglichkeiten einer KI im Jahr 2026 wären 2004 als Science-Fiction abgetan worden.« Es sei »ohne Alternative, auch die Eingriffsbefugnisse der Sicherheitsbehörden (…) anzupassen.«

An der öffentlichen Anhörung vor dem parlamentarischen Kontrollgremium nahmen neben Jäger auch die Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) und des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) teil. Normalerweise können die Abgeordneten des Gremiums, das für die Aufsicht über die Nachrichtendienste zuständig ist, deren Chefs nur in geheimer Sitzung Fragen stellen. Einmal jährlich findet eine öffentliche Anhörung statt.

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