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Ballistische Raketen treffen Kiew – keine Warnhinweise der USA?
Aktualisiert am 14.10.2026 - 02:15 UhrLesedauer: 3 Min.

Die ukrainische Luftabwehr ist praktisch seit Kriegsbeginn im Dauereinsatz. Sie ist auf ihre westlichen Verbündeten angewiesen. (Archivbild) (Quelle: Evgeniy Maloletka/AP/dpa/dpa-bilder)
Russische Raketen schlagen in der ukrainischen Hauptstadt ein. Doch es soll vorher keine Warnhinweise der USA gegeben haben. Das hat verheerende Folgen.
Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist am Dienstag erneut von ballistischen Raketen aus Russland getroffen worden – und auch dieses Mal habe es keine vorherige Warnung der Verbündeten gegeben, beklagte die Staatsführung. Unmittelbar nach Auslösung des Luftalarms am späten Abend seien schon die ersten Explosionen in der Millionenmetropole zu hören gewesen, berichtete das ukrainische Nachrichtenportal "The Kyiv Independent". Laut Bürgermeister Vitali Klitschko sei ein neunstöckiges Wohngebäude getroffen worden und in Flammen aufgegangen, es gebe mindestens zwei Tote und mehr als 20 Verletzte.
Wie schon am Vortag hätten die internationalen Partner auch dieses Mal keine Warnhinweise auf einfliegende Raketen gegeben, sagte der ukrainische Präsidentenberater Dmytro Lytwyn dem Bericht zufolge vor Journalisten. Auch die ukrainische Luftwaffe habe dies bestätigt.
Angriff auch auf Heizkraftwerk in Kiew
Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj soll bei den Angriffen auch ein Heizkraftwerk in Kiew getroffen worden sein. "Russischer Angriff mit einer ballistischen Rakete auf Kiew. Wieder einmal keine Vorwarnung von unseren Partnern", schrieb Selenskyj. Das Hauptziel sei die Energieinfrastruktur gewesen, insbesondere das Heizkraftwerk CHP-4. "Leider wurde es getroffen."
Selenskyj erklärte, am Dienstagabend hätten die ukrainischen Systeme die russischen Raketen erst erfasst, als diese sich Kiew bereits näherten. "Das ist absolut ungerecht: Während sie unsere Infrastruktur zerstören, erhält die Ukraine noch nicht einmal Frühwarnungen über Starts ballistischer Raketen", klagte der ukrainische Präsident. Aufklärungsdaten über den Abschuss russischer ballistischer Raketen helfen dabei, Menschenleben zu retten, und das ist eine der kritischsten Fragen", hatte er schon am Vortag mitgeteilt.
Ukraine verlässt sich auf Aufklärungsdaten des US-Militärs
Die Ukraine hat sich in ihrem seit 2022 andauernden Abwehrkampf gegen Russland bislang vorwiegend auf Aufklärungsdaten des US-Militärs verlassen, aber auch auf die anderer Nato-Mitgliedsstaaten. Dabei geht es um Warnungen vor russischen Angriffen sowie die Identifizierung eigener Angriffsziele.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass US-Beamte gedroht haben sollen, die Zusammenarbeit mit Geheimdienstinformationen und Waffenlieferungen an die Ukraine einzustellen, sollte diese ihre Angriffe auf russische Raffinerien nicht beenden. Selenskyj sagte, die Ukraine habe seit Trumps Ankündigung zu einer sogenannten Energiewaffenruhe am Sonntag keine russischen Raffinerien ins Visier genommen.
Die US-Regierung bestritt zuletzt Vorwürfe aus Kiew, wonach militärische Informationen nicht mehr mit den Ukrainern geteilt würden. In einer Pressekonferenz am Dienstag erklärte Trump, Washington teile weiterhin Geheimdienstinformationen mit der Ukraine und arbeite sowohl mit Kiew als auch mit Moskau an der Beendigung des Krieges. "Wir helfen ihnen und teilen Geheimdienstinformationen", sagte er.
Munitionsmangel verschärft Probleme
Weil es den ukrainischen Streitkräften nach viereinhalb Jahren Krieg an Munition zur Raketenabwehr mangelt, hat Russland die Angriffe auf Kiew und andere Städte verstärkt. Als effektivste Abwehr gegen ballistische Raketen, die aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwierig abzufangen sind, gelten die von den USA produzierten Patriot-Systeme. Die ukrainische Armee hat mehrere davon, aber nicht genügend Munition.
Russland greift auch die Energieversorgung der ukrainischen Hauptstadt seit Wochen verstärkt an. Die Angriffe führten bereits zu Strom- und Wasserausfällen und brachten zeitweise auch den U-Bahn-Verkehr zum Erliegen. Als Reaktion greift die Ukraine verstärkt Energieinfrastruktur in Russland an und nimmt dabei unter anderem Raffinerien und Öldepots ins Visier. US-Präsident Donald Trump, der wegen der infolge des Iran-Kriegs hohen Spritpreise unter Druck steht, verlangt ein Ende dieser Angriffe.
Trump hatte am Freitag eine Vereinbarung mit Kremlchef Wladimir Putin über die Lieferung von russischem Diesel bekanntgegeben. Mit dem Diesel-Deal, der auch aus den Reihen seiner eigenen Republikaner kritisiert wurde, setzte sich Trump über die vom Westen und den USA verhängten Russland-Sanktionen hinweg. Nach Kritik Selenskyjs an der Vereinbarung forderte Trump dessen Ablösung und Neuwahlen in der Ukraine. Am Sonntag hatte Trump dann erklärt, Russland und die Ukraine hätten einer Einstellung der Angriffe auf Energieanlagen im jeweils anderen Land zugestimmt. Moskau bestätigte eine solche Vereinbarung nicht.


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