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Russland gegen Ukraine und USA gegen Iran: "Sieht Trump die Nervosität an"

2 months ago 18

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Historiker Behrends

"Das dürfte Putin schlaflose Nächte bereiten"


17.03.2026 - 18:03 UhrLesedauer: 6 Min.

 Der Irankrieg bringt für den Kreml Vor- und Nachteile mit sich, sagt Historiker Jan C. Behrends.Vergrößern des Bildes

Wladimir Putin: Der Iran-Krieg bringt für den Kreml Vor- und Nachteile mit sich, sagt Historiker Jan C. Behrends. (Quelle: Vyacheslav Prokofyev/reuters)

Russland will die Ukraine seit Jahren unterwerfen, nun ist Donald Trump gegen das iranische Regime in den Krieg gezogen. Historiker Jan C. Behrends erklärt, was die Lage so unberechenbar macht.

Energisch wehrt sich die Ukraine bis heute gegen die russischen Invasionstruppen, nun löst ein weiterer Krieg international Besorgnis aus: Die USA und Israel greifen den Iran an. Trotz der geografischen Entfernung haben die beiden Konflikte viel miteinander zu tun, sagt Historiker Jan C. Behrends.

In welcher Hinsicht sollten die USA, Europa und die Golfstaaten von der Ukraine lernen?Warum muss Russland geopolitisch höchst besorgt sein wegen der Lage? Und wieso kann der Iran-Krieg Donald Trump letztlich schaden? Diese Fragen beantwortet Jan C. Behrends im Gespräch.

t-online: Professor Behrends, was bedeutet der Iran-Krieg für die Ukraine?

Jan C. Behrends: Die Ukraine freut sich zunächst über die Schwächung des Mullah-Regimes. Denn der Iran ist ein wichtiger Verbündeter Wladimir Putins, der Russland die brutale Kriegsführung gegen die Ukraine mit ermöglicht hat. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Iran Russland einst seine Shahed-Drohnen geliefert hat. Mit der Weiterentwicklung dieser Waffe terrorisiert Russland die Ukraine bis heute.

Zugleich schwindet durch den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran aber die internationale Aufmerksamkeit für die Ukraine?

Das ist nicht das einzige Problem. Denn darüber hinaus zeigt sich die Abhängigkeit der Ukraine von den oft erratischen Entscheidungen Donald Trumps. Insgesamt ist die Lage durch diesen weiteren Krieg noch unberechenbarer geworden – nicht zuletzt, weil beide Konflikte auf verschiedene Art und Weise miteinander zusammenhängen.

Jan Claas Behrends, geboren 1969, lehrt und forscht an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF). Der Historiker ist Experte für die Geschichte Osteuropas und hat die Gewaltkultur in der sowjetischen und postsowjetischen Gesellschaft von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart in verschiedenen Projekten untersucht. 2024 hat Behrends das Buch "Deutsch-ukrainische Geschichten. Bruchstücke aus einer gemeinsamen Vergangenheit" mit herausgegeben.

Nun ist Russland selbst bei einem Wegfall des iranischen Regimes weiter in der Lage, die Ukraine anzugreifen. Von den steigenden Ölpreisen profitiert der Kreml sogar.

Die Ölpreise sind durch den Iran-Krieg explodiert. Das spült täglich Millionen in Putins Kriegskasse. Außerdem haben die USA kurzfristig einige Sanktionen suspendiert. Für die Ukraine sind die hohen Ölpreise wiederum schlecht, denn das Land muss für Energie teuer bezahlen. Das trübt natürlich die Freude darüber, dass die Mullahs nun ebenfalls beträchtlichen Schaden erleiden. Und auch an anderer Stelle wird es für die Ukraine knapp.

Das dürfte die Luftverteidigung betreffen?

Richtig. Wegen der fortgesetzten russischen Angriffe benötigt die Ukraine weiterhin Patriot-Raketen, die nun in hohen Stückzahlen am Golf verschossen werden. Die Anzahl dieser Systeme ist begrenzt. Außerdem könnte es für Moskau ein Vorteil sein, dass die internationale Aufmerksamkeit nun primär auf den Nahen Osten gerichtet ist. Putin könnte dies nutzen, um militärisch und diplomatisch den Druck auf die Ukraine zu erhöhen.

Putin mag steigende Einnahmen durch den Verkauf von Öl haben: Aber insgesamt wackelt nach Syrien und Venezuela nun doch ein weiterer russischer Verbündeter?

Das kann Putin nicht gefallen. Für Russland ist der Iran-Krieg in dieser Hinsicht ambivalent: Einerseits kann Putin sich global mit seiner Kritik an den USA und Israel profilieren. Andererseits droht ihm möglicherweise der Verlust, bestimmt die starke Schwächung eines weiteren befreundeten Regimes. Baschar al-Assad hat letztes Jahr in Syrien die Macht verloren, Nicolás Maduro aus Venezuela sitzt in New York hinter Gittern. Auch in Kuba steht ein alter Verbündeter auf tönernen Füßen. Das sind geopolitische Rückschläge für den Kreml, der nicht über die Ressourcen verfügt, seine Verbündeten zu unterstützen. Dies wird international wahrgenommen; die Achse gegen den Westen droht zu brechen, und auch die Vereinigung Brics wird durch diese Entwicklungen geschwächt. Auch an anderer Stelle könnte Russland Nachteile durch den Iran-Krieg haben.

Inwiefern?

Russlands Einfluss im Nahen Osten schrumpft insgesamt. Wenn nun die Vereinigten Arabischen Emirate Kriegspartei werden, könnte Moskau einen Partner etwa für Finanzgeschäfte verlieren. Und nicht nur das, Russland bekommt von dort bislang auch viele sogenannte Dual-Use-Güter, die es für seinen Krieg gegen die Ukraine braucht. Damit könnte dann Schluss sein.

Wie steht es um die russisch-israelischen Beziehungen?

Israel hat mittlerweile eine wesentlich stärkere Position. Das begann mit dem Ende des Assad-Regimes in Syrien, aber auch die militärischen und geheimdienstlichen Erfolge gegen Hamas, Hisbollah und den Iran haben in Moskau Eindruck gemacht. Tatsächlich dürfte Israel sowohl in Russland als auch in der Ukraine als Vorbild in Sachen militärischer wie geheimdienstlicher Effizienz und in gesellschaftlicher Resilienz gelten. Und glauben Sie mir: So ein Enthauptungsschlag, wie ihn Israel am ersten Kriegstag gegen die iranische Führung unternahm, dürfte Putin schlaflose Nächte bereiten. Heute ging es weiter: Gerade hat das israelische Militär Ali Larijani, den Chef des Nationalen Sicherheitsrats und informellen Führer des Iran, getötet.

Wie bewerten Sie den aktuellen Stand des Iran-Kriegs?

Nach militärisch erfolgreichem Beginn – mit der Zerstörung der iranischen Luftabwehr, der Marine und Luftwaffe sowie der Tötung der Führung – befinden wir uns in einem neuen Abschnitt, in dem nicht klar ist, worin eigentlich das strategische Ziel besteht. Trump wäre es auch zuzutrauen, dass er morgen oder übermorgen seinen "Sieg" erklärt und sich wieder zurückzieht. Wir werden sehen.

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Trump sitzen die hohen Ölpreise im Nacken.

Allerdings. In Hinsicht auf die globale Wirtschaft und besonders in Hinsicht auf seine Anhängerschaft. Immerhin hat Trump ihnen im Wahlkampf niedrige Benzinpreise versprochen. Man sieht Trump die Nervosität mittlerweile auch an.

Trumps Druck auf die Nato-Partner, die Straße von Hormus zu sichern, dürfte dieser Nervosität entspringen?

Genau. Dieses Problem scheint er vor Kriegsbeginn ausgeblendet zu haben. Was gerade dort am Golf passiert, demonstriert über die Meerenge hinaus, wie die Kriege in der Ukraine und gegen den Iran zusammenhängen. Der Iran hat offensichtlich von Russland gelernt und attackiert mit Drohnen und ballistischen Raketen teils militärische, teils zivile Ziele in den Golfstaaten. Nach russischem Muster! Verblüffenderweise haben sich weder die USA noch die wohlhabenden Golfstaaten auf solche Angriffe ausreichend vorbereitet. Sie haben die Lektionen des Schlachtfeldes Ukraine nicht gelernt.

Warum nicht?

Das ist eine gute Frage. Es ist bekannt, dass der Iran Tausende von Drohnen und ballistischen Raketen besitzt. Außerdem konnte man in den letzten Jahren beobachten, wie Putin diese Waffen gegen zivile Ziele und Infrastrukturen einsetzt. Die Iraner haben die brutale Kriegsführung Moskaus einfach kopiert. Aber in den Emiraten fehlte offenbar die Vorstellungskraft, dass dieses Szenario auch am Persischen Golf Realität werden könnte. Zurzeit wissen wir nicht, wie groß die Reserven sind, über die der Iran noch verfügt, aber wir haben gelernt, dass er Drohnen und Raketen skrupellos einsetzt.

Auch die USA scheinen nicht die richtigen Lehren aus dem Krieg gegen die Ukraine gezogen zu haben.

Die Lernkurve war tatsächlich niedrig. Die Amerikaner haben unterschätzt, dass die Iraner den Krieg in der Ukraine genau analysieren und eng mit dem russischen Militär zusammenarbeiten. Dabei ist die Lehre klar: Russland führt vor, wie man einen asymmetrischen Krieg gegen die Zivilbevölkerung führen kann und wie sich Krieg und Terror verbinden lassen. Nun bekommt das saubere Image der wohlhabenden Ölstaaten am Golf, das sie sich über Jahre mit Glitzerfassaden und Wolkenkratzern aufgebaut haben, durch die iranischen Attacken sichtbare Kratzer.

Wäre es nun nicht an der Zeit, von den Ukrainern und ihrem Abwehrkampf zu lernen?

Das wäre konsequent und gilt nicht nur für die Golfstaaten. Das Verhältnis zwischen der Nato und der Ukraine hat sich mittlerweile auch verändert. Anfangs kamen die ukrainischen Soldaten zu uns, um von westlichen Armeen ausgebildet zu werden. Jetzt kommen Ukrainer hierher, um unseren Soldaten ihre Erfahrungen und Fähigkeiten im modernen Drohnenkrieg zu vermitteln. Die Ukraine besitzt mittlerweile die stärkste Armee in Europa. Kein Wunder, immerhin kämpft sie seit zwölf Jahren gegen Russland.

Nunmehr gibt es mit der Ukraine und dem Iran zwei Kriege, die Europa direkt betreffen. Was sind die Schlussfolgerungen für die Europäer daraus?

Europa muss jetzt seine Unterstützung der Ukraine weiter ausweiten – finanziell und militärisch. Das gilt besonders jetzt, wenn sich der Fokus der Öffentlichkeit stark in den Nahen Osten verschiebt. Sollten die USA die Sanktionen gegen Russland aufweichen, dann müssen die Europäer umso entschiedener handeln. Gegen die russische Schattenflotte kann etwa noch vieles unternommen werden.

Erneut zeigt sich durch Trumps Drohungen bezüglich der Nato auch die Schwäche Europas.

Europa muss seine Abhängigkeiten von den USA, aber auch von China und Russland noch konsequenter reduzieren. In Sachen Energie wäre auch die Frage zu stellen, ob der Ausstieg aus der Atomkraft eine kluge Entscheidung war. Europas Gewicht in der Geopolitik kann sich nur steigern, wenn wir souveräner, autarker und resilienter werden und wenn wir bereit sind, auch schmerzhafte Entscheidungen zu treffen. Dies ist nicht die Zeit für Zurückhaltung und Zaudern.

Professor Behrends, vielen Dank für das Gespräch.

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