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Gerhard Schröder gratuliert Putin: Was Geld aus Menschen macht

3 weeks ago 1

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Ein Diener mit seinem Herrn.Vergrößern des Bildes

Schröder (l.) und Putin in Moskau: Ein Diener mit seinem Herrn. (Quelle: X/Screenshot)

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

Unanständigkeit gehört zur Politik wie das Amen zur Kirche, zeigt sich jedoch in abgestuften Formen. Abgehoben wirkt ein Regierungspolitiker, der wie Philipp Amthor inmitten von Krisenzeiten auf die Idee verfällt, einen gemütlichen Strandkorb vor seinem Kanzleramtsbüro aufzustellen. Gravierender erscheint die Kaltschnäuzigkeit eines Landespolitikers wie Sven Schulze, der nach einer krachenden Wahlniederlage nichts Besseres zu tun hat, als sich den einzig verbliebenen Machtposten seiner Partei in der Parlamentsfraktion zu sichern. Den Gipfel der Unanständigkeit erklimmen jedoch Politiker, denen bis auf ein prall gefülltes Bankkonto wirklich alles egal ist: Moral, Gewissen, ihr eigenes Ansehen genauso wie der Ruf ihres Landes.

Zu so einer Person ist Gerhard Schröder herabgesunken. Der Altkanzler hat sich schon vor Jahren vom Kreml kaufen lassen. Nach viereinhalb Jahren Angriffskrieg scheint er immer noch kein Problem darin zu sehen, sich vom russischen Regime aushalten zu lassen, während dessen Raketen Nacht für Nacht ukrainische Zivilisten töten. In Moskau ließ sich Schröder dabei fotografieren, wie er seinem Kumpel Wladimir, gegen den ein internationaler Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen vorliegt, herzlich zum Geburtstag gratuliert. Selbst für abgebrühte Charaktere ist es bestürzend zu sehen, was Geld aus Menschen machen kann.

Auch in der gegenwärtig erfolgreichsten Partei des Landes zählt Unanständigkeit zum Wesenskern. In der AfD wird gegen Migranten gehetzt, ohne Hemmungen über politische Gegner hergezogen und ansonsten herumgeschwurbelt, dass sich die Balken biegen. Auch auf historische Fakten pfeift man gern und laut. Frontfrau Alice Weidel gefällt sich darin, Adolf Hitler wiederholt als "Linken" zu bezeichnen. Dummheit ist das sicher nicht, sondern kalte Berechnung: Je öfter man eine Lüge wiederholt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei irgendwem verfängt.

Auch Björn Höcke hat schon viele unanständige Dinge gesagt. Das hat ihm nicht geschadet, im Gegenteil: Sein radikaler Flügel hat sich zur dominanten Kraft in der AfD aufgeschwungen und drückt die Partei immer weiter nach rechts. Weidel hat die brutale Kraft dieses Lagers erkannt und sich mit ihm verbündet, um bei ihrem Kampf für ein Regierungsamt im Bund über schlagkräftige Truppen zu verfügen. Auch diese Kombination aus Radikalisierung und zynischem Kalkül hat zu den Wahlerfolgen der AfD beigetragen, was man als anständiger Bürger nicht laut genug beklagen kann.

Nun aber könnte sich der fortgeschrittene Extremismus der AfD als Problem entpuppen. In Sachsen-Anhalt bereitet sich die Landespartei auf die Regierungsbildung vor und müht sich eifrig, die fehlenden Stimmen für die Wahl ihres Kandidaten Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten aus der CDU zu ergattern. Wie zu hören ist, scheinen einzelne CDU-Parlamentarier gewillt, sich auf Deals einzulassen. Anders als gedacht, hat die in Magdeburg eingestürzte Brandmauer bislang jedoch nicht zur Folge, dass in der Union alle Dämme brechen – im Gegenteil: Auf Bundesebene ertönen aus der CDU, der CSU und vor allem dem Koalitionspartner SPD noch lautere Widerstandsschwüre gegen die "Normalisierung" der AfD. Und in Thüringen hat Björn Höcke plötzlich ein Problem.

Warum das so ist und wohin es führen kann, darum geht es in unserem heutigen Podcast. Meine Kollegin Nicole Fuchs-Wiecha hat Annika Leister eingeladen, die in unserem Hauptstadtbüro über die AfD berichtet. Wenige Journalisten kennen die Partei und ihre Strippenzieher so gut wie sie. Deshalb ist dieser Podcast die beste Wahl, um die turbulenten Ereignisse dieser Woche zu verstehen:

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Anschließend wünsche ich Ihnen ein erholsames Wochenende. Am Montag ist Annika Leister schon wieder für Sie da, dann schreibt sie den nächsten Tagesanbruch.

Herzliche Grüße

Ihr
Florian Harms
Chefredakteur t-online

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