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Orgo-Life the new way to the future Advertising by AdpathwayAusfälle nach Yandex-Angriffen
Russen kommen nicht ans Geld – selbst Haustüren streiken
20.10.2026 - 11:59 UhrLesedauer: 3 Min.

Rauch über einem Yandex-Rechenzentrum in Sasowo nach einem Drohnenangriff im Oktober: Die Attacken haben zahlreiche Alltagsdienste in Russland gestört. (Quelle: Social Media / Reuters)
Ukrainische Drohnen haben kürzlich mehrere Rechenzentren des russischen Internetkonzerns Yandex getroffen. Die Folgen zeigen sich im Alltag der Menschen in Russland.
Drohnenangriffe auf Rechenzentren des russischen Technologiekonzerns Yandex haben in Russland zahlreiche Alltagsdienste gestört. Einige Nutzer konnten zeitweise nicht auf ihr Geld zugreifen, Taxifahrten buchen oder elektronische Hauseingänge öffnen. Das zeigen Recherchen des US-Senders NBC News und der unabhängigen "Moscow Times".
Die ukrainischen Angriffe auf drei Rechenzentren Anfang Oktober trafen ein Unternehmen, dessen Dienste Millionen Russen täglich nutzen. Yandex gilt als "russisches Google". Es bietet neben einer Suchmaschine auch Bezahldienste, Uber-ähnliche Taxi-Apps und Speicherplatz für andere Unternehmen. Fällt die Technik dahinter aus, stehen zahlreiche Anwendungen gleichzeitig still.
Vier Tage ohne Zugriff aufs Geld
Für Irina aus Sankt Petersburg wurde das einem Bericht zufolge zum Problem, als ihre Miete fällig war. Ihren Nachnamen wollte sie nicht nennen. Die 21-Jährige konnte nach den Angriffen vier Tage lang nicht auf ihr Geld bei Yandex Pay zugreifen. Zeitweise fehlte ihr damit auch das Geld für Lebensmittel und die Versorgung ihres kleinen Kindes. "Ich hatte das Geld, aber es war nicht zugänglich", sagte sie NBC News.
Nutzer berichteten auch von ausgefallenen Essenslieferungen und Taxibuchungen. Manche kamen wegen gestörter elektronischer Zugangssysteme nicht mehr in ihre Wohnhäuser.
Anastasiya Mityaeva erzählte NBC News, dass die Konten ihrer Mutter und Großmutter zeitweise nicht erreichbar gewesen seien. Deswegen sorgte sich die Familie um die nächste Hypothekenrate. Yandex versicherte seinen Kunden, dass ihre Guthaben sicher seien. Betroffen waren die technischen Systeme, über die sie auf ihr Geld zugreifen konnten.
Bei Mityaeva streikten zudem die Taxi-App, der Zugang zum Wohnhaus und die Sprachsteuerung in ihrer Wohnung. "Uns wurde klar, wie viel von Yandex abhängt", sagte sie.
Die Störungen traf auch die Taxifahrer selbst. Einige konnten dem Bericht zufolge ihren Verdienst nicht einsehen oder auszahlen lassen. Ein Fahrer aus Krasnodar in Südrussland berichtete, die App habe zeitweise gleich mehrere Wagen zu einem Kunden geschickt. Nach einigen Tagen seien diese Probleme weitgehend behoben gewesen, der Zugriff auf seine Einnahmen aber noch immer nicht.
Warum ein Angriff so viele Dienste lahmlegt
Yandex bestätigte schwere Schäden an seinem Rechenzentrum in Sasowo, das nach einem Drohnenangriff in der Nacht zum 8. Oktober abgeschaltet wurde. Auch ein Standort in Kaluga wurde getroffen. Insgesamt trafen ukrainische Drohnen drei Rechenzentren des Unternehmens. Verletzt wurde niemand.
Laut dem Internetbeobachter NetBlocks sank die Erreichbarkeit der Cloud-Infrastruktur nach den Angriffen zeitweise auf rund 30 Prozent des üblichen Werts.
Weil auch andere Firmen ihre Programme über Yandex betreiben, reichten die Ausfälle weit über die eigenen Apps hinaus. Laut der "Moscow Times" waren unter anderem Unternehmen und Behörden betroffen. Das russische Exilmedium "Vjorstka" berichtete gar über verschobene Gerichtsverhandlungen, weil digitale Systeme nicht funktionierten.
Wann sämtliche Yandex-Angebote wieder uneingeschränkt laufen, ist unklar. Der Konzern erklärte, seine Mitarbeiter arbeiteten an der Wiederherstellung.
Der Krieg erreicht den Alltag
Nach Einschätzung des Russlandexperten Keir Giles von der britischen Denkfabrik Chatham House will die Ukraine mit solchen Angriffen auch der russischen Bevölkerung die Folgen des Kriegs vor Augen führen, sagte er NBC News. Offenbar mit Erfolg.
Die Angriffe beschäftigen inzwischen auch die russische Regierung. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte laut Reuters, es sei noch zu früh, um mögliche finanzielle Schäden zu beziffern. Digitalminister Maksut Schadajew kündigte Maßnahmen zum besseren Schutz von Rechenzentren an. Das Ministerium half Yandex bereits dabei, wichtige Systeme auf andere Server zu verlagern.


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