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Wer regiert Nordkorea nach Kims Tod? Diese Erbin soll die Macht übernehmen

1 week ago 3

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Wer regiert Nordkorea nach Kims Tod?

Dieses Mädchen soll die Macht übernehmen


12.07.2026 - 09:57 UhrLesedauer: 6 Min.

Kim Jong-Uns Tochter Ju Ae wird als Nachfolgerin gehandelt.Vergrößern des Bildes

Kim Jong-Uns Tochter Ju Ae (l.) wird als Nachfolgerin gehandelt. (Quelle: KCNA/reuters)

Kim Jong Un hat seine Herrschaft außenpolitisch abgesichert wie kein nordkoreanischer Machthaber vor ihm. Gerade deshalb richtet sich sein Blick auf die eine Bedrohung, die sich nicht mit Atomwaffen abschrecken lässt: die Zeit nach seinem Tod.

Kim Ju Ae steht neben ihrem Vater, als wäre sie dort schon immer gewesen. Schwarze Lederjacke, ernster Blick, die Hände ruhig. Sie lässt mit Kim Jong Un Tests von Interkontinentalraketen feiern, inspiziert Kampfpanzer, begleitet Militärparaden und beobachtet den Stapellauf neuer Kriegsschiffe. Vor ihr salutieren Generäle, hinter ihr stehen Nordkoreas modernste Waffen.

Noch vor wenigen Jahren wusste außerhalb des engsten Machtzirkels kaum jemand, dass Kim Jong Un überhaupt eine Tochter hat. Sie soll 14 oder 15 Jahre alt sein. Heute zeigt die Staatspropaganda Kim Ju Ae dort, wo in Nordkorea Macht entsteht: beim Militär. Damit macht sie das Regime zum Gesicht der nächsten Generation. Das ist kein Zufall.

Viele Beobachter erklären Kim Ju Aes Aufstieg mit dem Gesundheitszustand ihres Vaters. Kim Jong Un ist Anfang 40, stark übergewichtig, raucht viel und stammt aus einer Familie mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sein Vater Kim Jong Il erlitt bereits mit Mitte 60 wohl zwei Schlaganfälle und starb 2011 an einem Herzinfarkt – ebenso wie sein Großvater und Nordkoreas Staatsgründer Kim Il Sung 17 Jahre zuvor. Kim weiß also, wie gefährlich ein plötzlicher Machtwechsel und ungeklärte Verhältnisse für sein System werden können.

Denn das musste er selbst erleben. Als sein Vater 2011 starb, war er intern zwar längst als Nachfolger vorgesehen. Öffentlich hatte er jedoch kaum Zeit gehabt, Autorität aufzubauen. Viele Beobachter hielten ihn damals für einen Übergangsherrscher. Andere erwarteten Machtkämpfe innerhalb der Elite. Sie unterschätzten ihn.

Doch das ist nur ein Grund für den Aufstieg von Kims Tochter. Kim baut seine Tochter nicht auf, weil seine Herrschaft brüchig geworden wäre. Sondern, weil sie außenpolitisch stabiler ist als je zuvor. Nordkorea verfügt heute über ein Atomwaffenarsenal, das einen militärischen Regimewechsel von außen äußerst unwahrscheinlich macht. Russland und China umwerben Pjöngjang wieder als strategischen Partner. Gerade deshalb richtet sich Kims Blick auf die einzige Front, an der sogar Atomwaffen wirkungslos sind: den eigenen Machtapparat.

Nordkorea nicht länger isoliert

Das ist die eigentliche Veränderung. Lange war Nordkorea nahezu vollständig von China abhängig. Peking war wirtschaftliche Lebensader, diplomatischer Schutzschirm und zugleich der einzige Partner, der Druck auf Kim ausüben konnte. Heute ist dieses Verhältnis komplizierter.

Russlands Krieg gegen die Ukraine hat Nordkorea geopolitisch aufgewertet. Moskau braucht Munition, Raketen und Soldaten. Pjöngjang liefert sie. Im Gegenzug erhält Kim politische Rückendeckung, wirtschaftliche Hilfe und nach Einschätzung westlicher und südkoreanischer Experten militärisches Know-how.

Noch wichtiger ist jedoch etwas anderes. Russland verleiht Nordkorea strategisches Gewicht. Pjöngjang ist nicht länger nur ein isolierter Problemstaat. Es ist zu einem Partner geworden, den der Kreml braucht. Das verändert auch Chinas Kalkül. Peking betrachtet Nordkoreas Atomprogramm zwar weiterhin mit Skepsis. Gleichzeitig kann es sich kaum leisten, Kim durch offenen Druck weiter in Moskaus Arme zu treiben.

Zum ersten Mal seit dem Ende des Kalten Kriegs kann Nordkorea wieder zwischen zwei Großmächten manövrieren. Russland braucht Kim. China will ihn nicht verlieren. Genau daraus entsteht sein neuer außenpolitischer Spielraum.

Machtnachfolge rückt in den Fokus

Für Kim ist das ein strategischer Erfolg. Sein Ziel war nie militärische Überlegenheit. Es ging immer darum, einen Angriff auf Nordkorea politisch unvertretbar zu machen. Atomwaffen erfüllen genau diesen Zweck. Sie machen das Risiko eines Kriegs so hoch, dass ein gewaltsamer Sturz des Regimes immer unwahrscheinlicher wird.

Der nordkoreanische Diktator lässt den Status Nordkoreas als Atommacht in der Verfassung festschreiben, treibt den Ausbau seines Raketenprogramms voran und modernisiert inzwischen auch die Marine. Selbst technische Rückschläge verschwinden schnell hinter neuen Bildern militärischer Stärke.

Nach außen wirkt das Regime heute so gefestigt wie nie. Genau darin liegt die Ironie von Kims Herrschaft. Je besser er Nordkorea gegen Bedrohungen von außen absichert, desto größer wird die Bedeutung der einzigen Gefahr, die sich nicht mit Atomwaffen abschrecken lässt: die eines Umsturzes.

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Es geht Kim nun um die eigene Nachfolge. Erbdiktaturen besitzen ein strukturelles Problem: Solange der Herrscher lebt, konzentriert sich nahezu alle Macht auf seine Person. Stirbt er unerwartet, entsteht genau dort ein Vakuum. Nicht der äußere Gegner entscheidet dann über die Zukunft des Regimes, sondern die Loyalität von Partei, Militär und Sicherheitsapparat gegenüber der Herrscherfamilie.

Kims Tochter wird Teil der militärischen Inszenierung

Nach seinem eigenen Aufstieg an die Staatsspitze beseitigte Kim Rivalen – darunter auch Verwandte – mit äußerster Härte und stabilisierte seine Herrschaft. Doch genau diese Erfahrung dürfte ihm gezeigt haben, wie gefährlich ungeklärte Nachfolgen für eine Erbdiktatur werden können. Genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Geschichte seiner Tochter.

Noch hat Nordkorea Kim Ju Ae nie offiziell zur Nachfolgerin erklärt. Weder ihr Name noch ihr Alter wurden von den Staatsmedien bestätigt. Dennoch wächst unter Nordkorea-Experten der Eindruck, dass Kim Jong Un seine Tochter systematisch auf die Machtübernahme vorbereitet. Nicht wegen einer einzelnen Ankündigung. Sondern wegen einer Vielzahl kleiner Signale.

Denn Pjöngjang kommuniziert Macht selten mit Worten. Sondern mit Bildern. Kim Ju Ae erscheint nicht auf einem Schulhof, sondern vor Interkontinentalraketen. Die Staatsmedien zeigen sie immer häufiger an der Seite ihres Vaters – nicht als Zuschauerin, sondern als Teil der Inszenierung.

Schwester rückt in den Hintergrund

Diese Bilder richten sich nicht an den Westen. Sie richten sich nach innen. Die Botschaft lautet: Die Herrschaft der Kim-Familie endet nicht mit Kim Jong Un. Gerade darin liegt der eigentliche Zweck dieser Auftritte.

Wer einen Machtwechsel in einer Erbdiktatur vorbereiten will, muss ihn lange vor dem Tod des Herrschers beginnen. Die Bevölkerung soll sich an den künftigen Mittelpunkt der Macht gewöhnen, solange der alte noch lebt. Nachfolge ist in solchen Systemen kein einzelnes Ereignis. Sie ist ein politischer Prozess.

Kim Jong Un scheint ihn bewusst vorzuziehen. Das erklärt auch, warum seine Schwester Kim Yo Jong trotz ihrer Erfahrung wohl kaum die erste Wahl für die Nachfolge ist – obwohl manche Beobachter ihr dafür bereits gute Chancen zugesprochen hatten.

Die Schwester des Machthabers gehört seit Jahren zum engsten Machtzirkel, verfügt über eigene Netzwerke und tritt regelmäßig als außenpolitische Stimme des Regimes auf. Genau das macht sie einflussreich – und aus Sicht eines Diktators potenziell gefährlich. Wer bereits über eigene Loyalitäten verfügt, kann zum Kristallisationspunkt rivalisierender Machtgruppen werden.

Kim Ju Ae besitzt diese Machtbasis nicht. Ihre Autorität hängt vollständig von ihrem Vater ab. Jeder öffentliche Auftritt stärkt deshalb zunächst seine Kontrolle über den Übergang. Kim entscheidet, wann sie erscheint, welche Rolle sie übernimmt und welche Botschaft ihre Präsenz vermittelt.

Frau als Herrscherin Nordkoreas?

Doch es bleibt eine Frage: Kann eine Frau überhaupt an die Spitze Nordkoreas treten?

Auf den ersten Blick spricht vieles dagegen. Seit der Staatsgründung wurde das Land ausschließlich von Männern aus der Familie Kim regiert. Partei, Militär und Sicherheitsapparat werden bis heute von älteren Männern dominiert. Doch diese Sicht greift möglicherweise zu kurz.

Denn die Legitimität der Herrschaft gründet sich in Nordkorea nicht in erster Linie auf dem Geschlecht des Führers. Sondern auf die Familie. Seit Jahrzehnten erzählt die Staatspropaganda dieselbe Geschichte: Die Kim-Dynastie verkörpere die sogenannte Paektu-Blutlinie und damit den revolutionären Ursprung des Staates. Dieser Mythos steht über Partei, Verfassung und Institutionen. Entscheidend ist deshalb weniger, ob der nächste Herrscher ein Mann oder eine Frau ist. Entscheidend ist, dass er oder sie Kim heißt.

Genau deshalb verändert sich auch die öffentliche Darstellung Kim Ju Aes. Sie trägt dieselben dunklen Ledermäntel wie ihr Vater. Sie läuft neben ihm, nicht hinter ihm. Auf offiziellen Fotos rückt sie immer häufiger ins Zentrum. Selbst die Sprache der Staatsmedien entwickelt sich Schritt für Schritt weiter. Aus dem "geliebten Kind" wurde das "respektierte Kind". Später folgten Ehrentitel, die bislang ausschließlich dem obersten Führer oder dessen vorgesehenen Nachfolger vorbehalten waren.

Diese Signale sprechen in der Summe eine deutlichere Sprache. Kim Jong Un baut seine Tochter zur Nachfolgerin auf. Die zentralen Ziele: der geordnete Übergang der Macht und der Fortbestand der Kim-Dynastie. Vielleicht entscheidet sich deshalb die wichtigste strategische Frage Nordkoreas längst nicht mehr auf einem Raketentestgelände. Sondern dort, wo heute ein Mädchen schweigend neben seinem Vater steht – in der Lederjacke der nächsten Generation.

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