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Vor US-Midterms: Heiße Phase im Wahlkampf – Trumps Leute gehen auf Distanz

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Trump auf Wahlkampftour

Republikaner fliehen vor ihrem eigenen Präsidenten


03.10.2026 - 18:37 UhrLesedauer: 5 Min.

TrumpVergrößern des Bildes

Donald Trump: Der US-Präsident erhält Gegenwind aus seiner eigenen Partei. (Quelle: Alex Brandon/ap)

Rund einen Monat vor den Zwischenwahlen gehen einige Republikaner auf Distanz zu ihrem US-Präsidenten. Doch entgegen der Stimmung startet Donald Trump seine eigene Wahlkampftour.

David Schafbuch berichtet aus New York

Am Donnerstag besuchte Donald Trump Texas. In einer Fabrik für Lkws in dem Ort Denton sprach der US-Präsident wie so häufig davon, was seine Regierung bislang alles geleistet hat: Die Börsenkurse seien oben, die Armutsquote auf einem historischen Tief und der Iran werde keine Atomwaffen besitzen.

"Phänomenale Arbeit" nannte Trump die Leistungen seiner Regierung. Das einzige Problem sei nur: Es gelinge ihm einfach nicht, die Erfolge in der Öffentlichkeit richtig zu verkaufen.

Trump startet Wahlkampftour vor den Midterms 2026

Der Besuch von Trump war der Auftakt einer großen Wahlkampftour des Präsidenten: Einen Monat vor den US-Zwischenwahlen, in denen große Teile des US-Kongresses neu gewählt werden, will Trump für Stimmen seiner Republikaner werben. Bislang hält seine Partei in beiden Kammern, dem Senat und dem Repräsentantenhaus, die Mehrheit.

Entgegen Trumps selbst aufgezählter Erfolge ist allerdings der Unmut gegenüber dem Präsidenten und seiner Partei deutlich spürbar. Alle Umfragen vor den sogenannten Midterms deuten darauf hin, dass die Republikaner mit Verlusten rechnen müssen. Die Frage scheint nur noch, wie deutlich die Niederlage ausfallen wird.

Viele Republikaner haben jahrelang um die Unterstützung Trumps gebuhlt. Doch in der heißen Phase des Wahlkampfs scheint sich die Entwicklung umzudrehen: Politiker aus Trumps Partei gehen auf Distanz zu ihrem Präsidenten, weil sie in ihm mittlerweile eine Bürde sehen. Bei dem Präsidenten scheint das allerdings noch nicht ganz angekommen zu sein. Denn mit seiner Wahlkampftour macht Trump deutlich, dass er sich noch immer als größtes Zugpferd seiner Partei sieht.

Vor den US-Zwischenwahlen besucht Trump das rote Kernland

Nach seinem Auftritt in Texas flog der Präsident am Donnerstag weiter nach Oklahoma. Am Freitag machte er dann Halt in Alabama. Am Samstag ist ein Auftritt in Ohio, am Montag in Nebraska und am Dienstag in Maryland vorgesehen. Nach Informationen des Nachrichtenportals "Politico" plant Trump in den kommenden Wochen weitere Reden in den Staaten Iowa, Florida und Alaska.

Alle Orte haben abgesehen von Maryland eines gemeinsam: Bei der Präsidentschaftswahl 2024 hatte Trump die Staaten deutlich vor der demokratischen Bewerberin Kamala Harris gewonnen. Manche von ihnen gelten seit Jahrzehnten als Kernland der Republikaner. In Alabama gewann Trump etwa mit mehr als 30 Prozentpunkten Vorsprung.

Jüngste Umfragen vor den US-Midterms zeigen allerdings, dass bei den Zwischenwahlen auch viele "Red States", in denen die Republikaner traditionell stark sind, diesmal gefährdet sind: In der Wahl um den Senat könnte in Texas erstmals seit mehr als 30 Jahren wieder mit James Talarico ein Demokrat siegen. Ähnlich ist auch die Situation in Alaska, wo der demokratischen Bewerberin Mary Peltola Chancen zugerechnet werden, den Posten des republikanischen Senators Dan Sullivan zu übernehmen.

Lieber Corona als mit Trump auftreten?

In North Carolina, wo Trump 2024 vergleichsweise knapp gewann, sorgte am Freitag eine Meldung für Aufruhr, dass die Republikaner die Werbekampagne in dem Staat drastisch reduzieren und in anderen Staaten verwenden wollen. Beobachter werten den Schritt als Indiz, dass die Partei nicht mehr daran glaubt, ihren Senatsposten für den Staat halten zu können.

Viele der Kandidaten, die sich im November zur Wahl stellen, scheinen die Nähe Trumps gerade nicht zu suchen. Das zeigte sich bereits Anfang September. Die Republikaner hatten erstmals in ihrer Geschichte einen Parteitag vor den Zwischenwahlen einen Parteitag in Dallas abgehalten.

Trump sprach dort gleich zweimal. Viele Kandidaten der Republikaner ließen die Veranstaltung allerdings aus. Ken Paxton, der von Trump gestützt wird und in den Senat einziehen will, war allerdings bei der Veranstaltung in seinem Heimatstaat anwesend. Die "New York Times" berichtete in dieser Woche über Tonaufnahmen von Paxton: Demnach sagte der Republikaner im privaten Umfeld, dass Trump ihm und seiner Partei mit der Veranstaltung geschadet habe.

Und auch bei den kommenden Besuchen ist keinesfalls ausgemacht, dass die Spitzenkandidaten mit Trump auf einer Bühne stehen wollen. Ein Wahlkampfstratege der Republikaner, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte dem Portal "Politico", dass Kandidaten sich wohl lieber mit Corona anstecken würden, als aktuell mit Trump aufzutreten.

Umfrage vor den Midterms – Trump auf Tiefstwert bei Zustimmung

Tatsächlich zeigen viele Statistiken, dass Trump und seine Politik in einem Großteil des Landes unbeliebt sind. Das "Wall Street Journal" veröffentlichte in der vergangenen Woche eine neue Umfrage zur Beliebtheit des Präsidenten. Demnach lag die Zustimmungsrate für Trumps Politik bei 37 Prozent.

Der Wert ist nicht nur Trumps persönlicher Tiefstwert. Es ist auch einer der niedrigsten Werte, die ein US-Präsident jemals vor einer Zwischenwahl nach dem Zweiten Weltkrieg aufweisen konnte. Geschwächter war laut dem Meinungsforschungsinstitut Gallup nur Präsident Harry S. Truman bei den Wahlen 1946. Damals stimmten nur 33 Prozent der Amerikaner der Politik des Präsidenten zu.

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Viele Republikaner, die im kommenden Monat antreten, hatten in den vergangenen Jahren intensiv um den Rückhalt des Präsidenten geworben. Trumps Unterstützung galt dabei nicht nur als förderlich bei den Wählern. Der Rückhalt des Präsidenten verspricht auch finanzielle Unterstützung.

Kritiker kaltgestellt

Laut dem Portal "AdImpact" planen die Republikaner bis zum Wahltag noch mit Werbeausgaben von fast 900 Millionen Dollar. Ein Großteil der Mittel soll von Maga Inc. kommen. Das Finanzierungskomitee, das Trump nahesteht, hatte zuletzt Spendengelder in Höhe von mehr als 400 Millionen Dollar für den Wahlkampf gesammelt.

Umgekehrt sorgte Trump in der Vergangenheit auch dafür, dass die Karrieren seiner innerparteilichen Gegenspieler gestoppt wurden. Thom Tillis, Senator von North Carolina, hatte nach mehreren Disputen mit Trump bereits im vergangenen angekündigt, dass er nicht erneut für den Senat kandidieren wird. Der Abgeordnete Thomas Massie wollte erneut ins Repräsentantenhaus einziehen. In innerparteilichen Vorwahlen unterstützte Trump dann aber einen Gegenkandidaten: Massie unterlag und wird aus dem Kongress ausscheiden.

In den vergangenen Wochen hatten sich allerdings immer mehr Kandidaten der Republikaner mehr oder weniger offen gegen den Kurs des Präsidenten gestellt. Einige Politiker hatten etwa auf ihren Webseiten alle Inhalte gelöscht, die sie direkt mit dem Präsidenten in Verbindung gebracht hatten.

"Von Ihnen verraten"

Deutlicher positionierte sich María Elvira Salazar. Salazar kandidiert in Florida für das Abgeordnetenhaus. Die 64-Jährige veröffentlichte jüngst einen Werbespot, in dem sie sich direkt an den Präsidenten wandte: Einige Maßnahmen in Trumps Migrationspolitik seien zu weit gegangen, warf die Politikerin dem Präsidenten dort vor.

Salazar warnte Trump davor, dass die Abschiebepolitik der Regierung seinen Rückhalt unter amerikanischen Latinos gefährde. "Dieselben Latinos, die Ihnen 2024 geholfen haben, ins Weiße Haus zu kommen, fühlen sich heute von Ihnen verraten", so Salazar. In Florida haben fast 30 Prozent der Einwohner Wurzeln in Mittel- und Südamerika. Auch Salazars Familie stammt ursprünglich aus Kuba.

Andere Politiker attackierten Trump für seinen weiter andauernden Krieg im Iran. Dazu gehört etwa Ashley Hinson, die für Iowa in das Repräsentantenhaus einziehen will. "Die Einwohner Iowas leiden unter den hohen Preisen und sollten nicht auch noch die Zeche für den Krieg im Iran zahlen müssen", schrieb Hinson auf der Plattform X.

Auch die Republikanerin vermied es zuletzt, mit Mitgliedern der Trump-Regierung auf einer Bühne zu stehen. Einem Besuch von Vizepräsident JD Vance Mitte September in Iowa blieb Hinson fern und verwies auf andere Wahlkampftermine.

Donald Trump versucht hingegen weiter, seine Person mit der Wahl zu verknüpfen. Am Donnerstagabend sprach der Präsident erneut davon, dass die Wähler sich im November vorstellen sollten, dass er selbst kandidieren würde.

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