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Orgo-Life the new way to the future Advertising by AdpathwayMilitärische Lage in der Ukraine
Der Abnutzungskrieg zeigt seine Spuren
Aktualisiert am 16.03.2026 - 20:51 UhrLesedauer: 5 Min.

Ein russischer Soldat feuert eine Haubitze ab: Aktuell läuft es für Putins Armee an der Front nicht gut. (Quelle: IMAGO/Sergey Bobylev)
In den vergangenen Wochen hat die Ukraine Territorium zurückerobert. Möglich wird das durch eine Entwicklung, die die Kremltruppen mit Blick auf eine mögliche Frühjahrsoffensive vor Probleme stellt.
Mehr als vier Jahre sind seit dem russischen Angriff auf die Ukraine vergangen. Der Kriegsverlauf wechselte mehrfach – mal konnte Russland in großen Offensiven ukrainisches Territorium erobern, mal die ukrainischen Verteidiger ihre Gebiete zurückgewinnen.
Insbesondere in den vergangenen Wochen scheint sich die militärische Lage eher zugunsten der Ukraine entwickelt zu haben. Kiew konnte vor allem im Süden und Nordosten des Landes an mehreren Frontabschnitten Territorium von den russischen Angreifern zurückerobern.
Den Frontverlauf dürften diese kleineren Geländegewinne nur punktuell verändern. Es sind vielmehr "stille" Vorstöße, die der Ukraine dabei helfen können, die russischen Vorbereitungen auf ihre anstehende Frühjahresoffensive zu verlangsamen. Denn aus militärischer Sicht ist weniger der absolute Flächengewinn entscheidend, sondern vielmehr die Art und Weise, wie die Ukraine russische Schwachstellen ausnutzen kann.
Am deutlichsten sichtbar sind die ukrainischen Vorstöße im Süden des Landes am Oleksandriwka‑Abschnitt, der sich an der Nahtstelle zwischen den Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja befindet. Das geht aus dem Bericht der US-amerikanischen Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) hervor. Dort hatten russische Truppen im November und Dezember 2025 einen schmalen Korridor geschaffen, der sie näher an die Industriestadt Dnipro und wichtige ukrainische Nachschubwege brachte.
Einem Bericht des ukrainischen Generalstabs zufolge, der vom ISW bestätigt wurde, ist es ukrainischen Verbänden dort im Februar gelungen, zwei etwa zehn bis zwölf Kilometer lange Keile in die russischen Stellungen zu treiben und sich dort festzusetzen. Im Zuge dieser Angriffe konnte die Ukraine die Ortschaften Nowohryhoriwka, Kalyniwskyj und Stepowe zurückerobern. Damit drängte sie die russischen Truppen weiter in Richtung der Grenze der Region Saporischschja zurück.
Russlands großes Problem
Auch wenn Karten der Region den Eindruck erwecken könnten, bei dem Gebiet handele es sich lediglich um Wälder und Dörfer, hat die Region am Oleksandriwka-Abschnitt eine wichtige taktische Bedeutung. Durch die Rückverlagerung russischer Stellungen kann die Ukraine den Abstand der russischen Artillerie zur Großstadt Dnipro und zu wichtigen Straßenverbindungen im Hinterland vergrößern.
Im Video | Donezk: Ukraine zerstört russisches Drohnenlager
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So sichert die Ukraine Nachschublinien und stellt die Russen vor ein großes Problem: Durch die Geländeverluste im Süden fehlt ein wichtiger Ausgangskorridor für spätere Angriffe nach Norden. Insofern haben die Vorstöße über ihre taktische Wirkung hinaus eine operative Dimension, auch wenn sie die strategische Gesamtlage – die russische Kontrolle über weite Teile des Südostens – nicht grundlegend verändern.
Auch im Nordosten der Ukraine durchkreuzen die Verteidiger die russischen Pläne. In der Region Kupjansk versucht Russland seit Monaten, entlang des Flusses Oskil Druck aufzubauen. In den vergangenen Tagen hat die Ukraine dort laut den Experten von "Critical Threats", die gemeinsam mit dem ISW die täglichen Lagekarten im Ukraine-Krieg erstellen, leichte Geländegewinne erzielt.
Geolokalisierte Fotos und Videos zeigen ukrainische Kräfte beim Räumen eines Umspannwerks nördlich von Kiwschariwka. Das ISW wertet das als Hinweis darauf, dass ukrainische Truppen ihre Positionen nach Osten verschoben haben.
Diese Fortschritte bewegen sich im Bereich von wenigen Hundert Metern bis maximal einigen Kilometern. Sie sind jedoch für die ukrainische Verteidigung des wichtigen Eisenbahnknotens Kupjansk von Bedeutung, weil sie russische Truppen in unmittelbarer Stadtnähe zurückdrängen und mögliche Ausgangsstellungen für einen Brückenkopf über den Oskil einschränken.
Im taktisch wichtigen Frontabschnitt Kostjantyniwka–Druschkiwka, der südlich des schwer befestigten Donbass‑Festungsgürtels liegt, registrierte das ISW Anfang vergangener Woche einen kleineren ukrainischen Vorstoß auf den südlichen Stadtrand von Kostjantyniwka.
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Aktuell scheinen die Erfolge der Ukraine auf dem Schlachtfeld das Resultat einer Kombination aus Anpassungsfähigkeit und strukturellen Schwächen Russlands zu sein. So geht etwa das Vereinigte Königreich in einem veröffentlichten Geheimdienstbericht davon aus, dass die russischen Verluste größer sind als von Moskau behauptet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass seine Armee pro Monat 35.000 russische Soldaten entweder tötet oder so schwer verwundet, dass sie nicht mehr in den Kampf zurückkehren können.
Unabhängig bestätigen lässt sich diese Zahl zwar nicht, aber auch viele Analysten gehen von monatlich mindestens 27.000 russischen Verlusten aus. Gerade in vermeintlich ruhigeren Frontabschnitten sind russische Kommandeure infolge der Verluste offenbar zum Handeln gezwungen: So greifen sie laut Berichten auf unterbesetzte Einheiten zurück, die sich aus regulären Verbänden, mobilisierten Reservisten und Territorialtruppen zusammensetzen. Solche Einheiten verfügen in der Regel nur über wenig gemeinsame Kampferfahrung.
Der Kommandeur einer ukrainischen Luftlandeeinheit, die in Nähe von Oleksandriwka operiert, schilderte laut einem ISW-Bericht vom 10. März, seine Einheit sei bewusst an einem Frontabschnitt eingesetzt worden, in dem Russland keine dichte Truppenkonzentration aufgebaut habe. "Das hat Infiltrationen durch kleine Sturmtrupps ermöglicht", wird der Mann zitiert.
Bei den Einsätzen in den vergangenen Wochen folgte die Ukraine einem Muster, das bereits in den Jahren zuvor funktioniert hatte: Leichte Infanterieeinheiten tasten sich bei schlechter Sicht, etwa bei Nebel oder Schneefall, durch Lücken in der russischen Stellung. Gleichzeitig bekämpft die Drohnen‑ und Artillerieaufklärung gegnerische Beobachtungsposten. Eine Analyse des ISW geht davon aus, dass es der Ukraine so in den vergangenen Wochen gelang, russische Drohnenabwehr und Aufklärung zeitweise zu unterdrücken, was die ohnehin dünn besetzten Stellungen zusätzlich blind machte.
Hinzu kommt nach Einschätzung der Analysten, dass die Blockierung russischer Starlink-Verbindungen durch den Betreiber SpaceX seit Februar die Gefechtsfeldkommunikation russischer Truppen weiter beeinträchtigte.
Laut ISW intensiviert die Ukraine seit Ende Februar außerdem eine Artilleriekampagne gegen die Kriegsinfrastruktur der Russen: Ukrainische Drohnen und Artillerie nehmen russische Munitionslager, Artilleriestellungen, Führungsstellen und Luftabwehranlagen ins Visier, die sich teils mehrere Dutzend Kilometer hinter der Frontlinie befinden. Das schwächt dem Bericht zufolge die russische Fähigkeit zur Vorbereitung der erwarteten Frühjahrsoffensive.
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Hinzu kommt noch eine weitere russische Schwäche, die von der Ukraine gnadenlos ausgenutzt wird: die Prioritätensetzung entlang der Front. Wie das ISW, der britische Geheimdienst und der ukrainische Generalstab berichten, bleibt der Donbass samt dem Festungsgürtel aus Slowjansk, Kramatorsk, Kostjantyniwka und benachbarten Städten das Hauptangriffsziel der russischen Führung im Jahr 2026. Moskau soll bereits in den vergangenen Monaten Eliteverbände der Luftlandetruppen und der Marineinfanterie dorthin verlegt haben, um eine große Offensive vorzubereiten.
Angesichts der ukrainischen Geländegewinne im Süden des Landes habe Moskau diese Truppen allerdings wieder aus dem Donbass abziehen müssen, analysiert das ukrainische Nachrichtenportal "Euromaidanpress". Nur so sei es den Russen gelungen, die Front im Süden zu stabilisieren. Das zwingt die russische Kommandoebene zu schmerzhaften Abwägungen: Jeder Verstärkungsschwung im Süden fehlt im Vorfeld der geplanten Offensive im Osten – und umgekehrt.
Trotz der aus ukrainischer Sicht guten vergangenen Wochen hat die Angriffsfähigkeit der Armee strukturelle Grenzen. Der "Kyiv Independent" analysierte in der vergangenen Woche, die Ukraine sei zwar wieder in der Lage, lokal an der Front die Initiative zu ergreifen. Dennoch leide sie weiter unter Munitionsknappheit, begrenzten Reserven und fehlender Luftüberlegenheit.
Der ukrainische Militäranalyst Maschowez etwa warnt bei "Euromaidanpress", die Kräfte reichten derzeit eher für "taktische Stabilisierung" und nicht für tiefe Durchbrüche. Auch die massiven russischen Befestigungen im Süden und Osten blieben bestehen und setzten größeren Angriffen der ukrainischen Armee enge Grenzen.
So scheint es unwahrscheinlich, dass es in den kommenden Monaten zu einer großen ukrainischen Offensive wie in der Region Charkiw im Jahr 2022 kommt. Dazu fehlen absehbar sowohl Munitionsvorräte als auch mechanisierte Reserven und Luftunterstützung, während Russland trotz schwerer Verluste seine Mobilisierungskapazität und Produktionsbasis weiter ausbaut. Überzogene Schlussfolgerungen – etwa die Erwartung eines umfassenden ukrainischen "Gegenangriffs 2026" – wären daher nicht gedeckt, analysiert auch das "UK Defence Journal".


2 months ago
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