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Orgo-Life the new way to the future Advertising by AdpathwayKampfarena vor dem Weißen Haus
Trumps Prügelshow und das große Geschäft
14.06.2026 - 11:45 UhrLesedauer: 5 Min.

Die UFC-Kampfarena vor dem Weißen Haus: Neben oberkörperfreien Kämpfern werden auch junge Frauen in Hotpants zu sehen sein. (Quelle: IMAGO/JIM LO SCALZO / POOL)
Donald Trump feiert seinen 80. Geburtstag mit Käfigkämpfen direkt vor dem Weißen Haus. Doch hinter dem martialischen Spektakel steckt viel mehr als nur Sport.
Bastian Brauns berichtet aus Washington
Vielleicht bekommen die Männer das Ende ihres Kampfes vor den Augen des US-Präsidenten gar nicht mehr mit. Wer an diesem Sonntagabend an Donald Trumps 80. Geburtstag vor dem Weißen Haus in das eingegitterte Oktagon steigt, weiß, dass nur ein eher seltenes Einschreiten des Schiedsrichters oder eine sichtbare Ohnmacht ihn vor weiteren brutalen Schlägen schützen kann.
An diesem 14. Juni veranstaltet Trump die wohl ungewöhnlichste Geburtstagsfeier, die je ein amerikanischer Präsident veranlasst hat. Sieben Kämpfe des brutalen Sports Mixed Martial Arts trägt die Ultimate Fighting Championship (UFC) aus, in einer gigantischen, achteckigen Arena auf dem berühmten South Lawn vor dem Weißen Haus. In Deutschland gilt für den Besuch solcher Vollkontakt-Kampfsport-Events ein Mindestalter von 18 Jahren.
In Washington thront die überdachte Arena auf Stelzen nun wie eine gigantische Spinne mitten im Zentrum der Demokratie, mit dem Präsidentensitz als Kulisse. Sie wird "The Claw", die Klaue, genannt.
Offiziell soll das Spektakel Teil der Feierlichkeiten zum 250. Jubiläum der USA und damit auch dezidiert unpolitisch sein. Doch schon jetzt ist klar: Donald Trump sprengt damit einmal mehr die Grenzen jeglicher Normen. Während die Fifa-Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land läuft und die Vereinigten Staaten in ihre militärische Konfrontation mit dem Iran verstrickt sind, verhilft er einem Sport zu immenser Aufmerksamkeit, von dem er wirtschaftlich auch noch privat profitieren dürfte.
Schon früher haben Präsidenten Sportarten im Weißen Haus präsentiert, etwa indem sie Gewinnerteams einluden, Medaillen an Athleten verliehen oder wie Barack Obama zum Privatvergnügen einen Basketballkorb zum gelegentlichen Werfen auf dem Gelände installierten. Warum aber zeigt Donald Trump zum angeblichen Jubiläums-Event nicht Baseball, Amerikas traditionsreichsten Sport? Nicht Football, die kommerzielle Nummer eins im Land? Und auch nicht Basketball, den wohl erfolgreichsten sportkulturellen Export aus den USA? Die Antwort lautet: Es geht nicht wirklich um den Sport.
Der Präsident hofiert einen Kampfsport, der nicht nur ihn selbst, sondern Millionen Amerikaner, vorwiegend Männer, begeistert. Es ist nicht unbedingt ein amerikanischer Traditionssport. In den USA wurde die UFC erst vor etwas mehr als 30 Jahren gegründet. Doch Trump und UFC-Präsident Dana White pflegen seit Jahren eine Beziehung, von der beide profitieren. White ist zu einem seiner treuesten politischen Verbündeten geworden.
Trump wurde im Gegenzug der erste amerikanische Präsident, der die UFC und den Kampfsport als kulturelles Sinnbild für sich und seine MAGA-Bewegung schuf. Im Publikum sollen vor allem handverlesene, attraktive Soldaten stehen. Die sogenannten "Octagon-Girls" tragen knappe Outfits in Abwandlungen der US-Flagge in rot, weiß, blau.
Das Publikum, das zählt, sind junge Männer
Diese Verbindung ist kein Zufall, sondern hat Methode. Denn das UFC-Publikum deckt sich weitgehend mit einer zuletzt immer bedeutsameren Wählergruppe: junge Männer. Während die Demokraten ihren Blick auf Hollywood, auf Prominente und auf die etablierten Medien richteten, knüpfte Trump schon vor vielen Jahren Kontakte zu Podcast-Figuren, die unter jungen Männern im Netz millionenfach gehört und angeschaut werden. Mixed Martial Arts passt als vermeintlicher Underdog-Sport perfekt zu dieser Zielgruppe.
Indem Trump diesen vergleichsweise regellosen Kampfsport derart aufwertet, punktet der Präsident einmal mehr bei einer wichtigen Sparte seiner Wählerschaft. Niemand hat dieses Publikum stärker geprägt als der Moderator Joe Rogan. Über ein Jahrzehnt hat sein weltweit reichweitenstärkster Podcast sich zu einer der einflussreichsten amerikanischen Plattformen entwickelt. Und seit langer Zeit wirbt Rogan darin auch für den Mixed Martial Arts und die UFC.
Joe Rogan und die Manosphere
Der Podcaster hat am Samstag bereits die Einführungszeremonie geleitet, obwohl er sich insbesondere wegen des Iran-Kriegs zuletzt immer öfter mit Trump überworfen hatte. Doch das scheint vergessen. Zu wichtig ist Rogan als Epizentrum der sogenannten Manosphere. Man kann diesen Begriff wohl am ehesten als weitverzweigtes Geflecht aus Podcastern, Influencern, Kommentatoren und Internetpersönlichkeiten beschreiben, das sich um Männlichkeit, Fitness, jedwede Art von Selbstoptimierung, Unternehmertum und zunehmend auch um Politik dreht. Ihre Anhänger sind weltweit vernetzt.
Über die Jahre wurden UFC-Kämpfer zu Rogans Stammgästen. In den Gesprächen verwob der Podcaster den Kampfsport mit größeren Debatten über nationale Identität, Einwanderung, Redefreiheit, Kulturkämpfe und das, was viele seiner Zuschauer und Gäste als eine Krise der Männlichkeit im Westen beschreiben. Schließlich lud Rogan im Wahlkampf 2024 auch Donald Trump ein. Ohne diesen Auftritt, so heißt es in Washington, gäbe es heute auch keine zweite Präsidentschaft des MAGA-Anführers.
Aktien-Aufträge und ein Korruptionsverdacht
Doch es geht nicht nur um politisches Kapital, das Trump aus diesem Event am Weißen Haus schlagen will. Anders als etwa die Basketball-Liga NBA ist der Besitzer und Organisator der UFC, Dana White, über das Unternehmen TKO Group Holdings am New Yorker Aktienmarkt gelistet. Doch nicht nur der langjährige Freund und Unterstützer von Donald Trump wird von der beispiellosen, weltweiten Aufmerksamkeit für seinen Sport an diesem Trump-Geburtstag finanziell profitieren.
Auch der US-Präsident hat privat investiert in das angeblich so selbstlose Event, das einzig Amerikas Großartigkeit zeigen soll. Aktuelle veröffentlichungspflichtige Finanzunterlagen zeigen: Der Präsident kaufte Ende März Aktien der TKO Group Holdings, dem Mutterkonzern von UFC und WWE, der amerikanischen World Wrestling Entertainment Firma. Der Wert der Aktien soll sich demnach zwischen 15.000 bis 50.000 Dollar bewegen. Trump tätigte den Kauf rund zwei Wochen nachdem er im März sein Geburtstagsevent, das offiziell als Jubiläumsveranstaltung "Freedom Fights 250" genannt wird, öffentlich vorstellte.
Damit gerät Trumps persönliches Aktienportfolio aufs Neue unter Korruptionsverdacht. Denn das US-Verteidigungsministerium hatte zuletzt einen milliardenschweren Auftrag an das amerikanische Computer-Unternehmen Dell Technologies vergeben. Es ist eine Firma, in die der Präsident in den vergangenen Monaten ebenfalls, und sogar Millionen, investiert haben soll. In das gigantische Kampf-Event zu seinem Geburtstag, in das Trump investiert hat, fließen Millionen an Steuergeldern, allein schon wegen der immensen Sicherheitsausgaben.
Käfigkämpfe als amerikanische Diplomatie
Auf der Bühne vor dem Weißen Haus, die Trump mit dem Eiffelturm vergleicht und die er laut eigenen Aussagen am liebsten dauerhaft einrichten will, vermischt er einmal mehr Politik, persönliche Geschäftsinteressen, Machtdemonstration und die für ihn typische aufmerksamkeitsheischende Provokation.
Dazu gehört wohl auch die jüngste Äußerung von Trumps Außenminister Marco Rubio. Der deutete unlängst auf undurchsichtige Weise an, Mixed Martial Arts könnte für die USA künftig auch zu einem Instrument der amerikanischen Diplomatie werden. Was genau das bedeuten soll, blieb offen. Aber Rubios Aussage, die er mit UFC-Präsident Dana White abgestimmt hatte, war trotzdem aufschlussreich.
Die klassische, sogenannte amerikanische Soft Power, um die Welt im eigenen Sinne zu beeinflussen, kreiste einmal um Filme, Musik, Universitäten und demokratische Ideale. Nun sollen dieser Liste offenbar auch Käfigkämpfe hinzugefügt werden. Die UFC veranstaltet sie nicht nur an ihrem Gründungsort Las Vegas, sondern auch in Aserbaidschan, Serbien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort hat der brutale Kampfsport ebenfalls viele begeisterte Anhänger. Trump und seine Familie unterhalten dort lukrative Geschäftsverbindungen.
Sport, Geschäft, Macht – alles eins
Kritiker dieser Vermischung von Sportlichem, Geschäftlichem und Politischem wurden schon vorab als weltfremde Nörgler abgetan, die lediglich einen populären Sport oder den Präsidenten diskreditieren wollen. Bei mehreren vorangegangenen Medienevents in Washington verbaten sich unter anderem berühmte UFC-Moderatoren jegliche politische Unterstellung. Kein Kampf für Trump oder für eine bestimmte politische Partei sei das, sondern reines Zelebrieren des Sports und amerikanischen Heldentums.
Geht es nach Trump, wird dieser 80. Geburtstag und die Kampfnacht in seiner Oktagon-Arena vor dem Weißen Haus ein Bekenntnis zu der von ihm propagierten politischen Kultur im Land. Der US-Präsident sieht darin offenkundig ein Modell für Amerika selbst. Nach 250 Jahren Demokratie soll das Land unter ihm als Anführer nun auf diese Weise Stärke ausstrahlen. Schläge bis das Blut spritzt und nicht politischer Sachverstand sollen Aufmerksamkeit erzeugen, unterhalten und ablenken.


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