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Trauerfeier für Chamenei im Iran: Trumps Plan geht nach hinten los

2 weeks ago 9

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 Die USA und Israel haben mit ihrem Krieg das Mullah-Regime in Teheran gestärkt.Vergrößern des Bildes

Donald Trump (l.) und der neue oberste Führer des Iran, Modschtaba Chamenei: Die USA und Israel haben mit ihrem Krieg das Mullah-Regime in Teheran gestärkt. (Quelle: imago)

Mit einer aufwendigen Trauerfeier verabschiedet das iranische Regime den getöteten Revolutionsführer Ali Chamenei. Der iranische Machtapparat präsentiert sich nach dem Krieg gegen die USA und Israel als politischer Überlebender – und ist gefährlicher als zuvor.

Die Hitze flimmert über dem Asphalt. Arbeiter streichen die letzten Eingänge der Mosalla-Moschee in Teheran, verlegen frischen Straßenbelag und montieren Tribünen. Riesige Porträts von Ali Chamenei überragen den Gebetskomplex, an dessen Toren Polizisten und Sicherheitskräfte längst Stellung bezogen haben. Millionen Menschen sollen in den kommenden Tagen hier vorbeiziehen. Die Hauptstadt wird nahezu stillstehen.

Denn am Samstag soll die Trauerfeier für den ehemaligen Revolutionsführer Ali Chamenei stattfinden. Sie ist weit mehr als ein Staatsbegräbnis. Dort soll auch demonstriert werden, dass die Islamische Republik den schwersten Angriff ihrer Geschichte politisch überstanden hat und dass nach der Tötung Chameneis der Übergang gelungen ist. Genau darin liegt eine wesentliche Geschichte des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran.

Der eigentliche historische Einschnitt dieses Kriegs liegt deshalb nicht in den zerstörten Atomanlagen oder den getöteten Generälen. Er liegt in Teheran. Vieles spricht dafür, dass Donald Trump und Benjamin Netanjahu ausgerechnet jene Kräfte gestärkt haben, die den iranischen Machtapparat geschlossener, sicherheitsorientierter und langfristig gefährlicher machen könnten als vor dem Krieg.

Erzwungener Machtwechsel

Die Kriegsziele Washingtons und Jerusalems überschnitten sich, waren aber nicht identisch. Netanjahu will weiterkämpfen, Trump zog irgendwann die Notbremse. Zwar blieb der erhoffte Regimewechsel in Teheran aus, aber militärisch erzielten beide Erfolge: Führende Kommandeure wurden getötet, militärische Infrastruktur zerstört und das Atomprogramm erheblich zurückgeworfen. Politisch fällt die Bilanz hingegen deutlich widersprüchlicher aus.

Trump und Netanjahu unterschätzten nicht die militärischen Fähigkeiten des Iran. Sie unterschätzten, wie Kriege autoritäre Herrschaftssysteme verändern. Statt den iranischen Machtapparat ins Wanken zu bringen, bauten die Eliten des Mullah-Regimes ihre Macht aus.

Kriege entscheiden sich selten allein auf dem Schlachtfeld. Entscheidend ist, welche politische Ordnung entsteht, wenn die Waffen schweigen. Gemessen daran fiel das Ergebnis für Washington und Jerusalem anders aus als erhofft: Das Teheraner Regime blieb nicht nur an der Macht. Es konnte seinen Machtapparat unter den Bedingungen des Kriegs neu ordnen.

Iran in der Krise

Vor Kriegsbeginn befand sich das Regime in seiner schwersten Legitimitätskrise seit Jahren. Proteste gegen Inflation, Korruption und die drastisch gestiegenen Lebenshaltungskosten hatten die Führung erschüttert.

Der Angriff verwandelte diese Krise der Herrschaft in eine Krise der nationalen Sicherheit. Viele Iraner lehnten die Angriffe der USA und Israels ab, ohne deshalb Anhänger des Regimes zu werden. Doch im Krieg tritt die Forderung nach politischen Reformen hinter die Angst um die eigene Sicherheit zurück. Ausgerechnet in dem Moment, in dem das Regime verwundbar wirkte, gewann es durch die Angriffe neuen politischen Handlungsspielraum.

Noch folgenreicher war der Tod von Ali Chamenei. Fast vier Jahrzehnte lang hatte der 86-jährige Revolutionsführer die konkurrierenden Machtzentren des Systems zusammengehalten. Die Angriffe der USA und Israels erleichterten offenbar ausgerechnet jenen Machtwechsel, den Teheran seit Jahren als größtes innenpolitisches Risiko betrachtet hatte.

Der Krieg veränderte die Ausgangslage im Iran grundlegend. Im Ausnahmezustand entschied nicht mehr in erster Linie religiöse Autorität über politischen Einfluss, sondern die Kontrolle über Sicherheitsapparat und Staat.

Aus dem gefährlichsten Moment der Islamischen Republik wurde so der Ausgangspunkt einer neuen Machtkonstellation. Genau das soll die Trauerfeier an diesem Wochenende vermitteln: Der iranische Machtapparat präsentiert sich als gefestigt und bereit für die Zeit nach dem alten Obersten Führer.

Stärkung des Mullah-Regimes

Wie tief dieser Wandel reicht, zeigt sich an der neuen Machtarchitektur in Teheran. Der neue oberste Führer Modschtaba Chamenei ist bislang nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Nach außen hin prägen andere Personen das Bild des Staates: Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf, Revolutionsgardenchef Ahmad Wahidi, Sicherheitschef Mohammad Bagher Solghadr und Außenminister Abbas Araghtschi. Sie verbindet weniger ihre Biografie als ihre politische Sozialisation: Alle entstammen den Revolutionsgarden, den Sicherheitsdiensten oder anderen Teilen des Sicherheitsapparats.

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Schon unter Ali Chamenei bauten die Revolutionsgarden ihren Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Außenpolitik kontinuierlich aus. Der Krieg hat diese Entwicklung nicht ausgelöst, aber erheblich beschleunigt. Während der neue Revolutionsführer im Hintergrund blieb, sicherten Militär und Sicherheitsapparat die Handlungsfähigkeit des Staates. Es entstand eine Art Militärdiktatur mit den Revolutionsgarden an der Spitze.

Vieles spricht deshalb dafür, dass sich der Charakter der Islamischen Republik verändert. Religion bleibt die wichtigste Legitimationsquelle der Führung. Den politischen Kurs prägen jedoch zunehmend Akteure, deren Denken von Abschreckung, Kontrolle und strategischer Macht bestimmt wird. Sicherheitspolitische Erwägungen dürften künftig wirtschaftliche oder diplomatische Interessen überlagern.

Gerade darin liegt die strategische Ironie dieses Kriegs. Netanjahu wollte die militärische Bedrohung für Israel dauerhaft verkleinern. Trump wollte den Iran zu weitreichenden Zugeständnissen zwingen – mit Blick auf das iranische Atomprogramm und das Raketenarsenal. Stattdessen haben beide ausgerechnet jene Kräfte gestärkt, die seit Jahren für einen kompromisslosen Kurs gegenüber dem Westen stehen. Aus Sicht der neuen Führung lautet die wichtigste Lehre des Kriegs nicht, dass die Strategie der Konfrontation mit dem Westen gescheitert ist. Sondern, dass der Machtapparat selbst einem massiven Angriff standgehalten hat.

Radikaler und selbstbewusster

Besonders deutlich zeigt sich das an der Straße von Hormus. Der Krieg hat offenbart, dass die wirksamste Abschreckung des Iran heute weniger in seinem Raketenarsenal liegt als in seiner Fähigkeit, den Welthandel jederzeit empfindlich stören zu können. Schon die glaubhafte Aussicht auf eine Eskalation an diesem maritimen Nadelöhr reicht aus, um Energiepreise, Lieferketten und Finanzmärkte weltweit unter Druck zu setzen.

Damit verändert sich auch Israels strategische Lage. Das Land steht künftig womöglich keinem geschwächten Gegner gegenüber, sondern einem iranischen Machtapparat, der militärisch vorsichtiger, politisch aber selbstbewusster agiert. Wer überzeugt ist, den schwersten Angriff seiner Geschichte überstanden zu haben, bewertet Risiken anders als eine Führung, die sich existenziell bedroht fühlt.

Die Folgen betreffen nicht nur Israel, für dessen Gegner sich die Abschreckungslogik eher verhärtet als abgeschwächt hat. Auch die arabischen Golfstaaten werden ihre Sicherheitsstrategie neu austarieren müssen.

Viele Staaten des Nahen Ostens haben erlebt, dass die militärische Überlegenheit der USA und Israels sie nicht vor iranischen Angriffen schützen konnte. Das verändert die strategischen Kalkulationen der gesamten Region. Die Golfstaaten werden ihre Sicherheitsbeziehungen zu Washington kaum aufgeben, zugleich aber neue Partnerschaften ausbauen. Davon profitieren vor allem Mächte, die ihren Einfluss wirtschaftlich und diplomatisch ausweiten. China nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein.

Der Krieg hat damit nicht nur den Iran verändert. Er hat eine geopolitische Neuordnung des gesamten Nahen Ostens eingeläutet.

Scheitert das Regime am Frieden?

Wer Teheran nur als Gewinner des Kriegs betrachtet, übersieht die Widersprüche, die unter der Oberfläche fortbestehen. Der Staat hat den Krieg zwar überlebt. Die inneren Krisen sind damit jedoch nicht verschwunden.

Die wirtschaftliche Lage bleibt für den Iran fragil. Inflation, Arbeitslosigkeit und die Zerstörungen des Kriegs belasten eine Gesellschaft, die schon zuvor unter Sanktionen, Misswirtschaft und wachsender Perspektivlosigkeit litt. Die Proteste zu Beginn des Jahres wurden durch den Krieg überlagert – nicht überwunden. Der äußere Konflikt hat den inneren Konflikt vorerst verdrängt.

Für die neue Führung stellt dies ein Dilemma dar. Nach außen dürfte sie kaum von ihrem härteren Kurs abrücken können. Aus ihrer Sicht hat nicht Dialog das Überleben des Staates gesichert, sondern Widerstand. Gleichzeitig braucht der Iran wirtschaftliche Erholung, ausländische Investitionen und zumindest eine teilweise Lockerung der Sanktionen. Zwischen ideologischer Härte und wirtschaftlicher Notwendigkeit verläuft die entscheidende Konfliktlinie in der iranischen Politik der kommenden Jahre.

Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt deshalb erst jetzt – nicht auf dem Schlachtfeld, sondern im Alltag der Iraner. Ob sich die neue Machtordnung dauerhaft behaupten kann, entscheidet sich nicht an Militärparaden oder staatlich organisierten Trauerfeiern. Entscheidend wird sein, ob sie wirtschaftliche Perspektiven schafft und die strukturellen Krisen des Landes entschärft.

Wenn an diesem Wochenende Hunderttausende oder sogar Millionen Menschen Abschied von Ali Chamenei nehmen, wird die Führung die Bilder der Trauerfeier als Beweis nationaler Geschlossenheit inszenieren. Ob sie die iranische Gesellschaft tatsächlich widerspiegeln, ist fraglich. Zu tief sind die wirtschaftlichen Probleme, zu groß die sozialen Spannungen und zu präsent die Erinnerung an die blutig niedergeschlagenen Proteste.

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