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Toxische Männlichkeit: Woher kommt die Wut der Männer?

2 months ago 20

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Die Antwort besteht aus drei Verlusten und einem verhängnisvollen Zufall. Das junge Jahrhundert läuft so schlecht für den Mann im Westen, dass die Definition des schwachen Geschlechts überdacht werden muss. Außerdem müssen Frauen dringend lernen, bessere Gewinner zu werden.

Die Journalistin und Autorin Eva Ladipo, geboren 1974, studierte Politische Wissenschaften in Cambridge und wurde mit einer Arbeit über das russische Steuersystem promoviert. Sie hat in Russland, Kolumbien und in den USA gearbeitet und wohnt heute mit ihrer Familie in London. Sie schreibt regelmäßig für deutsche Zeitungen.

Mannsein ist kein naturgegebener, sondern ein verdienter Status. Das, was Simone de Beauvoir für Frauen postuliert hat, gilt also genauso für Männer: Man wird nicht als Mann geboren, sondern zu einem gemacht. Die Übergangsriten mögen von Kultur zu Kultur verschieden sein, doch der Anthropologe David Gilmore hat Studien über Männlichkeit auf der ganzen Welt ausgewertet und festgestellt, dass es eine Bedingung gibt, die Jäger in der Wildnis genauso erfüllen müssen wie Arbeiter in der Großstadt: Um zum echten Mann zu werden, schreibt Gilmore, um von der Gemeinschaft als vollwertig anerkannt zu werden, muss das männliche Wesen Überschuss generieren. Ein Mann muss mehr produzieren, als er konsumiert, um damit andere zu versorgen.

Diese universale Bedingung zu erfüllen und die Rolle des Ernährers zu übernehmen, wird für Männer immer schwerer. Typische Männerjobs, die gut bezahlt und gewerkschaftlich abgesichert waren, sind millionenfach aus dem Westen verschwunden. Für eine zunehmende Zahl von jungen Männern ist es unmöglich, dem Beispiel ihrer Väter und Großväter zu folgen, die in ihrem Alter längst die Mittel besaßen, eine Familie zu gründen.

Gleichzeitig haben Frauen einen sagenhaften Lauf hingelegt. Sie sind sozial mobiler als Männer, schließen besser in der Ausbildung ab und haben größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Diese auseinanderklaffende Entwicklung führt dazu, dass eine zunehmende Zahl von Männern den gestiegenen weiblichen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird. "Die Nachfrage nach männlichen Partnern ist aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung und der kulturellen Liberalisierung krass gefallen", warnt die britische Geschlechterforscherin Alice Evans.

Viele Männer sind dadurch das geworden, was die Forschung "double losers" nennt: Sie sind doppelte Verlierer, die weder Arbeit noch Partnerin finden. Die Zahl der abgehängten Männer, die ungewollt kinderlos bleiben, wächst überall im Westen. So haben etwa drei Viertel der ärmsten 5 Prozent norwegischer Männer keine Kinder. Unter den reichsten 5 Prozent ist es nur jeder Zehnte. In Deutschland ist die Selbstmordrate von jungen Männern mehr als viermal so hoch als die von jungen Frauen. Und in den USA hat sich die Zahl der "Deaths of Despair" (der Tod aus Verzweiflung), die auf Drogen, Alkohol oder Freitod zurückzuführen sind, unter Männern der Arbeiterschicht seit 1991 mehr als verdreifacht.

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