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Spanien und Marokko: Migranten versuchen erneut Grenzübertritt nach Melilla

2 hours ago 6

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Vera Sprothen

Europaabgeordneter Weber fordert besseren EU-Grenzschutz

Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber hat wegen der Migrationskrise in Ceuta eine Stärkung der europäischen Grenzschutzagentur Frontex gefordert. »Ceuta ist nicht nur spanische Grenze, sondern auch europäische Grenze«, sagte der Partei- und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) am Freitag in der ZDF-Sendung heute-journal

Wir brauchen ein gestärktes Frontex, das für uns alle unsere gemeinsame Außengrenze zukünftig für uns sichert.

Europaabgeordneter Manfred Weber

Es werde bereits an einer Frontex-Reform gearbeitet, aber die Frage sei: »Wie stark kann auch Europa dann direkt an der Grenze das Kommando übernehmen, wenn es zu Ausnahmesituationen kommt?« Wenn, wie im Fall von Spanien, ein EU-Land die angebotene Hilfe der EU-Grenzschützer nicht in Anspruch nehmen wolle oder könne, müsse es Konsequenzen geben, sagte Weber. 

Jana Trietsch

Migranten versuchen laut Berichten erneut Grenzübertritt nach Melilla

In der spanischen Exklave Melilla haben Menschen aus Nordafrika lokalen Medienberichten zufolge am späten Abend erneut versucht, den Grenzzaun zu überwinden. Es sei zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Dem Bericht zufolge warfen Menschen Steine auf die Beamten, während die Sicherheitskräfte Tränengas einsetzten. Zunächst war unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. Der Grenzübergang Beni Ansar ist seit Donnerstagabend geschlossen.

Bereits wenige Stunden zuvor hatten in Melilla rund 500 Menschen versucht, die Grenze von Marokko aus zu überqueren, wie lokale Medien berichteten. Dabei seien auch Steine geworfen, Polizeifahrzeuge angezündet und Einsatzkräfte verletzt worden. Sicherheitskräfte hätten mehrere Menschen festgenommen.

Mathis Gann

Spaniens Außenminister weist Kritik aus Schengenraum zurück

Laut Spaniens Regierung sind fast alle Menschen, die die Grenzen zu der Exklave Ceuta überquert hatten, wieder in Marokko. »Nahezu alle, die in Ceuta angekommen waren, sind inzwischen wieder nach Marokko zurückgekehrt«, schrieb Außenminister José Manuel Albares auf X.

Als Reaktion auf Kritik aus mehreren Schengenländern schrieb Albares, die Integrität des Schengenraums sei gewährleistet. Es sei nicht möglich, auf das spanische Festland zu gelangen, ohne sich auszuweisen.

Mathis Gann

Sánchez warnt vor Spaltung Europas

Angesichts der Kritik aus mehreren EU-Staaten hat Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez die Partner zur Achtung der europäischen Verträge gemahnt. »Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig. Die Achtung der europäischen Verträge und der Datenlage ist es nicht«, schrieb Sánchez auf X. Dies sei nicht die Zeit, Europa zu spalten, sondern die Zeit, eine starke und geeinte EU aufzubauen.

Sánchez verwies zudem auf Daten der EU-Grenzschutzbehörde Frontex, wonach Spanien seit dem Jahr 2021 deutlich niedrigere Migrationszahlen aufweist als etwa die Fluchtroute über das Mittelmeer nach Italien, die Westbalkanroute oder die Route über Griechenland. 

Mathis Gann

Darf Spanien aus dem Schengenraum ausgeschlossen werden?

Der Grenzübertritt von Zehntausenden Menschen nach Ceuta hat in der EU auch eine Debatte über das Schengenabkommen ausgelöst, das kontrollfreie Grenzübertritte zwischen den 29 beteiligten Staaten ermöglicht. Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni schlug den vorübergehenden Ausschluss Spaniens aus dem Schengenraum vor. Dafür bekam sie unter anderem Zuspruch der finnischen Innenministerin Mari Rantanen.

Doch ist das überhaupt möglich – ein Land gegen seinen Willen aus dem Schengenraum auszuschließen? Tatsächlich ist ein solcher Schritt in den Regeln der Europäischen Union nicht vorgesehen. Der ehemalige EU-Außenbeauftragte Josep Borrell aus Spanien schrieb dazu auf X: »Nach EU-Recht darf kein Mitgliedstaat die Teilnahme eines anderen Mitgliedstaats am Schengenraum einseitig aussetzen.«

Was den Schengenländern jedoch erlaubt ist, sind temporäre Kontrollen an ihren Grenzen, wie etwa Deutschland oder Frankreich sie bereits durchführen. Mehrere Länder kündigten mit Blick auf Ceuta eine Ausweitung oder Verlängerung ihrer Kontrollen an. Ignoriert wird dabei, dass die spanischen Exklaven in Nordafrika zwar zur EU, nicht aber zum Schengenraum gehören, und alle Menschen, die von dort auf das EU-Festland reisen, ohnehin bei ihrer Einreise kontrolliert werden.

Mathis Gann

Zusammenstöße an der Grenze zu Melilla

Neben Ceuta steht auch die andere der beiden spanischen Exklaven in Nordafrika weiter im Fokus – die rund 225 Kilometer östlich von Ceuta gelegene Stadt Melilla. Wie mehrere Menschenrechtsgruppen und lokale Medien berichteten, gab es heute in der marokkanischen Grenzstadt Beni Ansar Zusammenstöße zwischen der Polizei und Menschen, die über die Grenze nach Melilla gelangen wollten. Dabei seien auch Steine geworfen, Polizeifahrzeuge angezündet und Einsatzkräfte verletzt worden. Mehrere Menschen, die die Grenze überqueren wollten, seien festgenommen worden.

Mathis Gann

Rund 48.000 Menschen sollen Ceuta wieder verlassen haben

Von den Zehntausenden Menschen, die nach Ceuta und Melilla gelangt waren, sind bis zum frühen Abend offenbar schon mehr als 48.000 wieder zurück in Marokko. Das teilte das spanische Innenministerium mit. Laut der Regionalregierung von Ceuta hatten etwa 60.000 Menschen die Exklave erreicht.

Isabelle Daniel

Italien setzt Schengenabkommen teilweise aus

Als Reaktion auf die Vorgänge in Ceuta führt Italien wieder Grenzkontrollen für den Luft- und Seeverkehr ein. Außenminister Antonio Tajani teilte mit, das Schengenabkommen über den freien Personenverkehr in der EU werde gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt. Dieser Schritt sei notwendig, um »die Sicherheit unserer Bürger zu gewährleisten und die europäischen Grenzen zu schützen«, schrieb Tajani auf X.

Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte den Schritt zuvor angedroht und davon gesprochen, die Grenzen und die Sicherheit der italienischen Bürger schützen zu wollen. Italien hat allerdings keine Landgrenze zu Spanien. 

Das Schengenabkommen hat Grenzkontrollen an die Außengrenzen der Vertragsstaaten verlegt. Kontrollen an Grenzübergängen zwischen Schengenstaaten wurden hingegen abgeschafft, was den Waren- und Reiseverkehr erleichtert. Das Abkommen erlaubt jedoch, Grenzkontrollen zwischen den Mitgliedstaaten vorübergehend wieder einzuführen. Auch an den deutschen Grenzen gibt es derzeit Kontrollen.

Isabelle Daniel

EU-Ratspräsident betont Solidarität mit Spanien

Nach der deutlichen Kritik mehrerer EU-Staaten an Spanien hat EU-Ratspräsident António Costa seine Solidarität mit der Regierung in Madrid bekundet. Drittstaatsangehörige in Ceuta hätten kein Recht auf Einreise auf das spanische Festland oder in den übrigen Schengenraum, schrieb Costa auf X. Spaniens »entschlossenes Vorgehen – einschließlich der laufenden beschleunigten Rückführungen« spiegele jedoch auch »unsere Entschlossenheit, unsere Außengrenzen zu schützen, illegale Migration zu bekämpfen und kriminelle Schleusernetzwerke zu zerschlagen«. Er begrüße auch Spaniens enge Kooperation mit Marokko, fügte Costa hinzu.

Costas Äußerungen unterscheiden sich deutlich von denen mehrerer europäischer Regierungen und anderer EU-Vertreter. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die Bilder aus Ceuta als inakzeptabel bezeichnet. Der Chef der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, forderte einen Frontex-Einsatz, sollte Spanien sich nicht an die Schengenstandards halten.

Mehr dazu lesen Sie hier:

Isabelle Daniel

Sánchez wirft Kritikern Spaltung vor und fordert Achtung europäischer Verträge

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat nach Forderungen aus der EU, sein Land aus dem Schengenraum auszuschließen, vor einer Spaltung Europas gewarnt. »Solidarität und Empathie sind freiwillig. Die Achtung der europäischen Verträge und Daten ist es nicht«, schrieb Sánchez auf X. Darunter setzte er eine Liste mit Zahlen zu irregulären Grenzübertritten in Europa zwischen 2021 und 2021. Die meisten irregulären Einreisen wurden in dem Zeitraum mit 478.600 demnach in Italien verzeichnet. Deren Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte angesichts der Krise in Ceuta zuerst den Ausschluss Spaniens aus dem Schengenraum ins Spiel gebracht.

»Es ist nicht die Zeit zu spalten. Es ist die Zeit, weiter an einer starken und geeinten EU zu bauen«, schrieb Sánchez weiter. 

Isabelle Daniel

Zahl der Toten auf mehr als 50 gestiegen

Die spanische Regierung spricht inzwischen von mindestens 57 Menschen, die beim Fluchtversuch nach Ceuta gestorben sind. Der Großteil der Menschen war nach offiziellen Angaben schwimmend in die spanische Exklave gekommen. Viele Menschen sollen ertrunken sein. Zudem soll es eine Massenpanik gegeben haben. 

Mathis Gann

CSU-Europapolitiker Weber schlägt Frontex-Einsatz vor

Der CSU-Vize Manfred Weber, Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), hat die Situation in den spanischen Exklaven als »inakzeptabel« bezeichnet. Spanien müsse »für Ordnung sorgen« und die Menschen nach Marokko zurückführen, forderte Weber im Gespräch mit der Bild-Zeitung.

Sollte Spanien die Schengen-Standards nicht umsetzen, müsse auch über einen Einsatz der europäischen Grenzschutzagentur Frontex gesprochen werden, sagte Weber. Die EU dürfe nicht zulassen, dass Migration als »politische Waffe« eingesetzt wird – Europa sei »nicht erpressbar«. 

Isabelle Daniel

Spaniens Innenministerium spricht von mehr als 37.500 Rückkehrern

Nach Angaben der spanischen Regierung hat ein Großteil der nach Ceuta gelangten Migranten das Gebiet wieder in Richtung Marokko verlassen. Das berichten mehrere Medien. Der staatliche TV-Sender RTVE und andere Medien schrieben unter Berufung auf das Innenministerium in Madrid, bis 15.30 Uhr seien 37.500 Menschen nach Marokko zurückgekehrt. Das würde bedeuten, dass drei Viertel der rund 50.000 Menschen, die nach Regierungsangaben in den vergangenen Tagen irregulär in die Exklave an der Meerenge von Gibraltar gelangt waren, nicht mehr dort sind. Die spanische Tageszeitung El País schrieb, bei ihrer Rückkehr würden die Migranten vom spanischen Militär »geführt«.

Die Regionalregierung Ceutas hatte die Zahl der Ankömmlinge auf mehr als 60.000 geschätzt. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. 

Mathis Gann

»Es gibt ein Recht auf ein Verfahren, wenn ein Asylantrag gestellt wird«

Die Zahl der Menschen, die innerhalb kürzester Zeit von Marokko aus in spanische Exklaven gelangt ist, ist außergewöhnlich, sagt der Migrationsexperte Gerald Knaus im ZEIT-Interview. 60.000 Menschen, »das gab es an einem Tag nicht einmal in der Ägäis im Herbst 2015«, sagt Knaus – und ordnet die Zahl ein: »An diesem einen Tag sind mehr Menschen nach Ceuta gelangt als im ganzen vergangenen Jahr über sämtliche Außengrenzen Spaniens.« Im gesamten Jahr 2025 seien insgesamt 3.523 Menschen über die Landgrenze nach Ceuta gekommen.

Welches Interesse Marokko an dieser Situation haben könnte und welche Rechte die Geflüchteten haben, lesen Sie in diesem Interview:

Isabelle Daniel

Gewerkschaft spricht von mindestens 41 Toten 

Beim Grenzübertritt nach Ceuta sind nach Angaben der Gewerkschaft der Guardia Civil mindestens 41 Menschen gestorben. Einige seien ertrunken, andere bei einer Massenpanik gestorben, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Rachid Sbihi. Die Menschen hätten versucht, Wellenbrecher am Strand von Tarajal zu überwinden, einem Küstenabschnitt in der Nähe eines Grenzkontrollpunkts zu Marokko. Das Wasser in der Nähe des Grenzzauns war demnach übersät mit Schuhen und anderen Habseligkeiten. Bisher hatten die Behörden die Zahl der bestätigten Toten mit 34 angegeben.

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