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Spanien-Streit: Trump droht – und lobt Madrid wenig später

1 week ago 5

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Streit mit Spanien

Trump sieht rot


10.07.2026 - 17:19 UhrLesedauer: 7 Min.

 Der US-Präsident legt sich immer wieder mit Spanien an.Vergrößern des Bildes

Donald Trump: Der US-Präsident legt sich immer wieder mit Spanien an. (Quelle: Andrew Harnik/getty-images-bilder)

Erst beschimpft Donald Trump Spanien, dann lobt er das Land plötzlich. Madrid lässt sich davon nicht irritieren – doch der Widerstand gegen den US-Präsidenten birgt erhebliche Risiken.

Sie kommen schnell. Hufe schlagen auf das Kopfsteinpflaster, Schreie hallen durch die engen Gassen von Pamplona. Hunderte Läufer in weißen Hemden und mit roten Halstüchern drängen sich an Hauswände, stolpern oder springen im letzten Moment zur Seite. Hinter ihnen preschen sechs Kampfstiere durch die Altstadt. Jeder von ihnen wiegt mehrere Hundert Kilogramm.

Das Spektakel dauert nur wenige Minuten. Es ist der Höhepunkt des San-Fermín-Festes, das Pamplona jedes Jahr im Juli in einen Ausnahmezustand versetzt. Die Stiere werden durch die Straßen zur Arena getrieben. Dort werden sie später getötet. Kritiker sprechen von Tierquälerei, Anhänger von Kultur und Tradition. Das rote Tuch an der Hüfte der Läufer gehört bei dem Ritual zu den bekanntesten Bildern. Zwar reizt nicht die Farbe den Stier, sondern die Bewegung. Aber das Symbol ist mächtig.

In der internationalen Politik ist Spanien zuletzt selbst zu solch einem metaphorischen roten Tuch geworden – für Donald Trump.

Der Streit zwischen Washington und Madrid zeigt exemplarisch, was Trump unter Bündnispolitik versteht: nicht als langfristige Zusammenarbeit unter Partnern, sondern als Geschäft mit Schuldnern. Wer seinen Forderungen folgt, wird belohnt. Wer widerspricht, wird öffentlich gedemütigt. Spaniens linker Regierungschef Pedro Sánchez weigert sich, diese Logik zu akzeptieren. Das macht ihn für Trump zum Gegner – und sein Land zu einem möglichen Ziel amerikanischer Vergeltung.

Erst Wut, dann ein Rückzieher

Der US-Präsident saß in dieser Woche beim Nato-Gipfel in Ankara neben Generalsekretär Mark Rutte, als er sich erneut in Rage redete. Spanien sei ein "schrecklicher Partner", ein hoffnungsloser Fall, ließ Trump seine Zuhörer wissen. Die Spanier beteiligten sich nicht ausreichend und zahlten zu wenig. Dann folgte die Drohung: Die Vereinigten Staaten sollten den Handel mit dem europäischen Verbündeten einstellen. Sogar von einem Ende gegenseitiger Besuche sprach der Präsident.

Trump erteilte seinen Mitarbeitern vor laufenden Kameras entsprechende Anweisungen. Finanzminister Scott Bessent solle nicht einmal mehr mit den Spaniern reden. Die zuständigen US-Behörden prüften anschließend offenbar mögliche Maßnahmen gegen spanische Produkte.

Wenige Stunden später war plötzlich alles anders. Auf dem Rückflug nach Washington lobte Trump Spanien. Das Land habe ein "beeindruckendes Comeback" hingelegt und sei sehr großzügig gewesen. Madrid habe einer größeren Zahlungsforderung entsprochen. Andernfalls, sagte der US-Präsident, hätten die Vereinigten Staaten nicht mehr mit den Spaniern gesprochen.

Das löste Verwirrung aus. Welche Zahlung Trump meinte, blieb zunächst unklar. Spanien wusste es selbst nicht: Die Regierung deutete die Bemerkung später als Hinweis darauf, dass Madrid inzwischen das frühere Nato-Ziel von Verteidigungsausgaben in Höhe von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht. Auch Trump selbst lieferte keine nachvollziehbare Erklärung. Zurück blieb der Eindruck eines US-Präsidenten, dessen Außenpolitik innerhalb weniger Stunden von einer Drohung zu einem Lob umschlagen kann.

Spanien sperrt sich gegen Nato-Quote

Die Debatte über Verteidigungsausgaben ist ein zentraler Punkt im Streit zwischen Washington und Madrid. Trump verlangt von den Nato-Staaten, ihre militärischen Aufwendungen bis 2035 auf fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung zu steigern.

Premier Sánchez hält eine derartige Quote für falsch und will nach Angaben seiner Regierung bei rund 2,1 Prozent bleiben. Madrid argumentiert, dass nicht allein die Höhe der Ausgaben entscheidend sei, sondern auch die militärischen Fähigkeiten, die ein Land bereitstellt. Spanien beteiligt sich an Nato-Missionen, entsendet Soldaten, Flugzeuge, Panzer und Kriegsschiffe. Gleichzeitig will die Linksregierung ihren Sozialstaat nicht durch einen stark wachsenden Rüstungshaushalt gefährden.

Für Trump ist diese Begründung zweitrangig. Er betrachtet Prozentzahlen als politischen Treuetest. Fünf Prozent bedeuten in seiner Welt Loyalität, weniger als fünf Prozent Widerstand. Die unterschiedlichen wirtschaftlichen, sozialen und militärischen Voraussetzungen der Mitgliedstaaten spielen dabei kaum eine Rolle.

Gegenmodell zu Trump

Aber der Zwist geht weit über die Uneinigkeit bei den Verteidigungsausgaben hinaus, Spanien widerspricht dem US-Präsidenten noch in anderen Fragen.

Nach Beginn des von den USA und Israel geführten Krieges gegen den Iran verweigerte Madrid den US-Streitkräften die Nutzung spanischer Stützpunkte. Betroffen waren vor allem die strategisch wichtigen Anlagen in Rota und Morón. Sánchez begründete seine Haltung mit dem Völkerrecht. Spanien werde sich nicht an einer Militäraktion beteiligen, die nicht durch ein Mandat der Vereinten Nationen gedeckt sei.

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Auch im Nahostkonflikt liegt die spanische Regierung weit von Washington entfernt. Madrid erkannte den palästinensischen Staat an, verhängte ein Waffenembargo gegen Israel und kritisierte das Vorgehen der israelischen Regierung im Gazastreifen mit außergewöhnlich scharfen Worten. Trump hingegen stand zumindest fest an der Seite des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Hinzu kommen innenpolitische Gegensätze. Während Trump auf Abschottung und Abschiebungen setzt, beschloss die Regierung Sánchez eine weitreichende Legalisierung des Aufenthaltsstatus Hunderttausender irregulär eingereister Menschen. Während einflussreiche US-amerikanische Technologiekonzerne die Nähe zum Weißen Haus suchen, will Madrid soziale Netzwerke stärker regulieren.

So wurde Sánchez zum europäischen Gegenmodell zu Trump – ein Anti-Trump. Zumindest inszeniert er sich in Spanien erfolgreich in dieser Rolle.

Sánchez hat viele Gründe für den Widerstand

Für den spanischen Regierungschef sind die Beschimpfungen aus Washington dabei nicht nur eine Belastung. Innenpolitisch können sie ihm sogar helfen. Sánchez führt eine wenig stabile Minderheitsregierung. Seine Sozialistische Arbeiterpartei ist auf den linken Koalitionspartner Sumar und auf die Unterstützung mehrerer Regionalparteien angewiesen. Korruptionsaffären im Umfeld seiner Partei, Konflikte über die katalanische Unabhängigkeitsbewegung und schwache Ergebnisse bei Regionalwahlen haben den Ministerpräsidenten unter Druck gesetzt.

Der Widerstand gegen Trump ermöglicht es ihm, über ein anderes Thema zu sprechen. Sánchez kann sich als Verteidiger des Völkerrechts, des Sozialstaates und der europäischen Eigenständigkeit präsentieren. Er verkörpert das Spanien, das sich einem übermächtigen Partner nicht unterwirft.

Das kommt bei vielen seiner Wähler an. Der amerikanische Krieg gegen den Iran ist in Spanien unpopulär. Eine deutliche Erhöhung der Militärausgaben könnte wiederum die linken Koalitionspartner ablehnen und die Regierung gefährden. Würde Sánchez Trump folgen, könnte er sein Bündnis verlieren. Widerspricht er, erhält er Applaus aus dem eigenen Lager.

Deshalb reagierte Madrid auf die jüngste Tirade und die Beschimpfungen durch Trump demonstrativ gelassen. Sánchez sprach von "Ruhe und Geduld". Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten seien wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich hervorragend. Vor dem Gruppenfoto beim Nato-Gipfel habe er mit Trump freundlich über Fußball und die Weltmeisterschaft gesprochen. Von Spannungen sei in dem persönlichen Gespräch nichts zu spüren gewesen.

Das war geschickt. Sánchez vermied eine Gegenbeleidigung und stellte Trump indirekt bloß. Der US-Präsident hatte Spanien öffentlich mit einem Wirtschaftskrieg gedroht. Im direkten Gespräch sprach er dann offenbar lieber über Fußball. Wenig später folgte sein Lob. Sánchez geht davon aus, dass der US-Präsident häufig maximalen Druck ankündigt, ohne ihn dauerhaft aufrechtzuerhalten. Bislang war diese Einschätzung richtig.

Denn schon frühere Drohungen gegen Spanien blieben folgenlos. Trump hatte Madrid bereits im März mit einem Ende der Handelsbeziehungen gedroht. Trotzdem blieben spanisches Olivenöl, Maschinen und Chemieprodukte in den USA auf dem Markt. Auch die militärische Zusammenarbeit wurde nicht grundsätzlich beendet.

Trumps Drohungen sind unbedacht

Ein vollständiger Handelsstopp wäre ohnehin für die USA schwierig umzusetzen. Spanien ist Teil des europäischen Binnenmarktes und der Zollunion. Die Handelspolitik gegenüber Drittstaaten liegt nicht bei den nationalen Regierungen, sondern in der ausschließlichen Zuständigkeit der Europäischen Union. Brüssel verhandelt internationale Handelsabkommen und entscheidet über handelspolitische Gegenmaßnahmen.

Spanische Waren könnten somit über andere Mitgliedstaaten in die Vereinigten Staaten gelangen. Ein Produkt kann in Valencia hergestellt, in Portugal weiterverarbeitet und von dort verschifft werden. Ein Embargo nur gegen Spanien würde deshalb komplizierte Kontrollen und neue Herkunftsregeln erfordern.

Politisch wären die Konsequenzen von Trumps Plan außerdem verheerend. Ein Angriff auf spanische Waren wäre ein Angriff auf den europäischen Binnenmarkt. Die EU-Kommission müsste reagieren, schon um zu verhindern, dass Washington künftig einzelne Mitgliedstaaten herausgreift und gegeneinander ausspielt.

Brüssel verfügt dafür über Instrumente. Die Europäische Union könnte Gegenzölle erheben, amerikanische Unternehmen von öffentlichen Aufträgen ausschließen oder zusätzliche Beschränkungen gegen Dienstleister verhängen. Ein Handelskonflikt mit Madrid könnte sich dadurch schnell zu einem Konflikt mit allen 27 EU-Staaten ausweiten.

USA schaden sich selbst

Dementsprechend hätte Trump wirtschaftlich einiges zu verlieren. Nach den vorliegenden Handelsdaten importierte Spanien 2025 Waren im Wert von etwa 23 Milliarden Euro aus den USA, während spanische Ausfuhren in die Gegenrichtung rund 18 Milliarden Euro erreichten. Washington erzielt im Warenhandel mit Madrid also einen Überschuss.

Der US-Präsident würde ausgerechnet einen Handel beschneiden, bei dem die USA mehr verkaufen als einkaufen.

Das spricht gegen ein vollständiges Embargo. Es macht begrenzte Strafmaßnahmen aber nicht unmöglich. Washington könnte gezielt Zölle verhängen, spanische Unternehmen mit Exportbeschränkungen belegen oder einzelne Produkte sanktionieren. Betroffen sein könnten etwa Olivenöl, Baustoffe, Industriemaschinen oder chemische Erzeugnisse.

Noch gefährlicher als konkrete Zölle ist für Spanien möglicherweise die Unsicherheit. Unternehmen verschieben Investitionen, wenn sie nicht wissen, welche Regeln in einigen Monaten gelten. Kapital wird teurer, Lieferketten werden überprüft, Projekte werden vertagt. Schon die Drohung kann wirtschaftlichen Schaden anrichten, auch wenn sie nie vollständig umgesetzt wird. Darin liegt Trumps eigentliches Druckmittel.

Widerstand hat einen Preis

Sánchez vermittelt den Eindruck, er habe den jüngsten Schlagabtausch mit Trump gewonnen. Doch er spielt mit dem Feuer. Spanien ist sicherheitspolitisch auf die Vereinigten Staaten angewiesen. Das gilt auch für den Rest Europas. Amerikanische Geheimdienstinformationen, Waffensysteme, Luftverteidigung und der nukleare Schutzschirm lassen sich kurzfristig nicht ersetzen. Madrid kann den Zugang zu seinen Stützpunkten beschränken. Es kann Washington aber nicht aus der europäischen Sicherheitsordnung herauslösen, ohne selbst erhebliche Risiken einzugehen.

Sánchez läuft außerdem Gefahr, den Konflikt für innenpolitische Zwecke zu stark zu personalisieren. Nicht jede Meinungsverschiedenheit mit Washington müsse öffentlich zum Grundsatzkampf werden, meinen Kritiker des spanischen Regierungschefs.

Für Europa steckt darin aber auch eine größere Lehre. Beschwichtigung – so wie andere europäische Staaten sie praktizieren – schützt nicht zuverlässig vor dem nächsten Angriff des US-Präsidenten. Trump deutet Entgegenkommen häufig nicht als Grundlage für einen Kompromiss, sondern als Zeichen, dass noch mehr Druck möglich ist. Zugleich wäre es leichtfertig, jede Provokation mit einer eigenen Eskalation zu beantworten.

Madrid versucht deshalb einen schwierigen Mittelweg: nicht nachgeben, aber auch nicht zurückschlagen; Haltung zeigen, ohne die Beziehungen abzubrechen. Noch funktioniert diese Strategie. Der Stier Trump ist vorbeigeprescht, Sánchez ist stehen geblieben, Trump hat sich zunächst einem anderen Thema zugewandt. Aber die Auseinandersetzung ist nicht beendet.

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