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NSDAP-Akten: Renate Künast findet Namen ihres Vaters

1 week ago 7

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Ehemalige Bundesministerin

Künast findet Namen ihres Vaters in NSDAP-Akten

25.05.2026 - 19:26 UhrLesedauer: 2 Min.

 Die Grünen-Politikerin hat die Vergangenheit ihrer Familie nachrecherchiert.Vergrößern des Bildes

Renate Künast: Die Grünen-Politikerin hat die Vergangenheit ihrer Familie nachrecherchiert. (Quelle: IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler/imago)

Renate Künast hat erst jetzt Gewissheit über die NSDAP-Mitgliedschaft ihres Vaters bekommen. Der Fund treibt die frühere Grünen-Politikerin um.

Die frühere Bundesministerin Renate Künast hat in digital aufbereiteten NSDAP-Mitgliederakten den Namen ihres Vaters entdeckt. "Er ist am 1. Mai 1933 in der Partei aufgenommen worden, also wenige Wochen nach der Machtübernahme", sagte die Grünen-Politikerin dem "Spiegel". Die Recherche habe sie emotional bewegt.

"Es war kein Schock, aber es hat mich schon getroffen und beschäftigt mich seitdem", sagte Künast. "Wenn aus einer unbeantworteten Frage Gewissheit wird, geht das Nachdenken wieder los." Die heute 70-Jährige erklärte, sie habe schon länger vermutet, dass jemand aus ihrer Familie Mitglied der NSDAP gewesen sein könnte.

Künast berichtete, sie habe nach dem Namen ihres Vaters Willy Künast gesucht und sofort einen Treffer gefunden. Später habe sie auch den älteren Bruder ihres Vaters entdeckt, der 1937 in die Partei eingetreten sei.

Die ehemalige Bundestagsabgeordnete sagte, in ihrer Familie sei nicht über die Zeit des Nationalsozialismus gesprochen worden. "Nach dem Krieg war es auch bei uns wie in vielen Familien: Das war ein Schweigekartell", sagte sie dem "Spiegel". Oft habe sie gehört, man habe nichts gewusst oder ohnehin nichts ändern können.

Künast recherchiert über ihren Vater

Künast sagte, sie habe dieses Schweigen schon als Jugendliche beschäftigt. "Ich wollte und will damit anders umgehen. Das hat mich geprägt, mich einzumischen." Deshalb habe sie auch kein Problem damit, öffentlich über die NSDAP-Mitgliedschaft ihres Vaters zu sprechen. "Wissen, was war, ist Voraussetzung für Aufarbeitung, sonst kommt nur Verstellung dabei raus."

Ihr Vater sei auf einem Bauernhof in Thüringen aufgewachsen und ein autoritärer Mensch gewesen, sagte Künast weiter. Er habe zunächst eine Kfz-Lehre gemacht, sei später zur Reichswehr gegangen und Fahrer des Generals Georg-Hans Reinhardt geworden. In der Familie habe es Fotos gegeben, die ihr Vater beim Einmarsch der Wehrmacht ins Sudetenland 1938 aufgenommen habe. Darauf seien jubelnde Menschen und Häuser mit Hakenkreuzfahnen zu sehen gewesen.

Die Grünen-Politikerin konnte ihren Vater nicht mehr mit ihrem Wissen konfrontieren, er starb bereits Anfang 1995. "Was wäre gewesen, wenn ich zu Lebzeiten meines Vaters noch von seiner Mitgliedschaft erfahren hätte?", so Künast weiter.

Auch andere Politiker finden Verwandte

Mitte März hatte das US-Nationalarchiv begonnen, historische NSDAP-Mitgliederakten digital zugänglich zu machen. Der "Spiegel" und die "Zeit" bereiteten die Unterlagen auf und veröffentlichten eine Suchfunktion für Millionen Karteikarten.

Auch andere Politiker berichteten dem "Spiegel" von ihren Recherchen in den Akten. Der SPD-Politiker Karl Lauterbach erklärte, er habe keinen seiner Großeltern in der Kartei gefunden. Allerdings sei ein Großonkel bereits im Mai 1932 der NSDAP beigetreten. "Er war ein überzeugter Nationalsozialist", sagte Lauterbach.

Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow sagte dem Magazin, er habe bereits gewusst, dass sein Großvater früh Mitglied der NSDAP gewesen sei. Zugleich betonte der Linken-Politiker, wie wichtig Transparenz und die Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte seien. "Nicht, um nachgelagerte Scherbengerichte abzuhalten, aber um sich zu erinnern", sagte Ramelow.

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