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Trump wütet – Erdoğan gewinnt
08.07.2026 - 19:19 UhrLesedauer: 5 Min.

Treffen beim Nato-Gipfel in Ankara: Donald Trump und Recep Tayyip Erdoğan verstehen sich auch auf der persönlichen Ebene sehr gut. (Quelle: Alex Brandon/ap)
Donald Trump wütet in Ankara gegen die Nato, droht Spanien und verschärft den Konflikt mit dem Iran. Viele sehen darin einen Affront gegen den Gastgeber. Doch Recep Tayyip Erdoğan hatte nie vor, Trump zu bremsen.
Donald Trump klatschte in die Hände, als er am Montag die Gangway seiner Air Force One hinabstieg. Unten wartete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bereits auf ihn. Kampfjets zogen rot-weiß-blaue Streifen über den Himmel von Ankara, eine Militärkapelle spielte, Ehrensoldaten standen Spalier. Kurz darauf begleiteten Reiter die Präsidentenlimousine zum Palast. Kein anderer Staats- und Regierungschef wird beim Nato-Gipfel derart empfangen.
Erdoğan kennt seinen Gast. Der türkische Präsident weiß, dass Donald Trump große Gesten liebt, militärischen Pomp und persönliche Aufmerksamkeit. Trump bedankte sich prompt. Er sei überhaupt erst aus Respekt vor Erdoğan nach Ankara gekommen, sagte der US-Präsident. Für Trump, der multilaterale Gipfel meist als lästige Pflicht betrachtet, ist das mehr als eine höfliche Floskel. Es ist eine öffentliche Aufwertung seines Gastgebers. Für den türkischen Präsidenten war das ein diplomatischer Erfolg, schon vor dem Beginn des Nato-Gipfels.
Doch die Harmonie hielt nicht lange. Keine 24 Stunden später kippte die Stimmung. Trump attackierte Spanien als "schrecklichen Partner", drohte mit einem Handelsstopp, belebte den Streit um Grönland neu und erklärte die Feuerpause mit dem Iran für beendet. Am Ende des Gipfels behauptete Trump zwar, es liege "Liebe in der Luft"; doch erneut bestimmte nicht das Nato-Bündnis die Schlagzeilen, sondern Trumps Eskalationen.
Ausgerechnet auf Erdoğans Bühne zeigte der US-Präsident wieder jene Unberechenbarkeit, vor der sich viele europäische Verbündete fürchten. Das wäre eigentlich ein Affront gegen die Türkei, weil derartige Gipfel für Gastgeber Prestigeveranstaltungen sind, die möglichst zu einem Erfolg führen sollen – einer Abschlusserklärung. Aber wer den Gipfel lediglich danach bewertet, ob Erdoğan Trump beruhigen konnte, greift zu kurz. Erdoğan hatte seinen wichtigsten Gast nicht im Griff, aber das wollte der türkische Präsident auch gar nicht.
Trump wertet Erdoğan auf
Trump betrachtet Außenpolitik als Abfolge von Geschäften. Bündnisse sind für ihn kein Selbstzweck, sondern Verhandlungsmasse. Erdoğan hat diese Logik früh verstanden. Während viele europäische Regierungschefs versuchen, Trump über gemeinsame Beschlüsse oder diplomatische Rituale einzubinden, setzt der türkische Präsident seit Jahren auf persönliche Beziehungen und konkrete Interessen. Nicht Ideale verbinden beide Politiker, sondern ihr transaktionales Verständnis von Macht.


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