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Iran-Krise: Warum Trumps Kurs zum innenpolitischen Bumerang wird

1 week ago 4

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US-Präsident Donald Trump nimmt am 8. Juli 2026 an einer Sitzung des Nordatlantikrats (NAC) im Rahmen des NATO-Gipfels in Ankara, Türkei, teil.Vergrößern des Bildes

US-Präsident Donald Trump nimmt am 8. Juli 2026 an einer Sitzung des Nordatlantikrats (NAC) im Rahmen des Nato-Gipfels in Ankara teil. (Quelle: Yves Herman)

Donald Trump hielt die eigenen Geheimdienste in Fragen des Iran einst für naiv. Einmal mehr zeigen sich nun die Folgen seiner Selbstüberschätzung. Amerikaner zahlen dafür jeden Tag an den Zapfsäulen.

Im Jahr 2019 beschimpfte Donald Trump die eigenen Geheimdienste als viel zu "passiv". Sie würden die Gefahr aus dem Iran nicht verstehen. "Vielleicht sollten sie wieder zur Schule gehen." Denn sie seien "naiv", höhnte der Präsident damals.

Sieben Jahre später wirkt dieser Satz wie ein Bumerang. Denn ausgerechnet Trump selbst demonstriert im Umgang mit Teheran eine erstaunliche außenpolitische Naivität, gepaart mit diplomatischer Hemdsärmeligkeit, die sich im Nahen Osten derzeit jeden Tag aufs Neue rächt.

Kaum hatte Trump vor wenigen Wochen das sogenannte Memorandum of Understanding, also eine Absichtserklärung, mit dem Iran als grandiosen Durchbruch verkauft, erklärte er nun beim Nato-Gipfel in Ankara kurzerhand dessen faktisches Ende. Auch die Waffenruhe sei für ihn "vorbei". Wie viel davon wieder nur Theaterdonner-Rhetorik ist, wird sich zeigen.

Naive Fehleinschätzung

Aber trotzdem ist das ein bemerkenswertes Eingeständnis. Denn natürlich war niemand ernsthaft davon ausgegangen, dass das Mullah-Regime plötzlich zum verlässlichen Vertragspartner werden würde. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass gerade die persischen Diplomaten mit allen Wassern gewaschen sind.

Doch genau darin liegt Trumps eigene naive Fehleinschätzung: Er glaubte offenbar, dass maximale militärische Härte und maximale persönliche Selbstgewissheit ausreichen würden, um solche jahrzehntelangen strategischen Realitäten einfach außer Kraft zu setzen.

In Wahrheit lassen sich die Mullahs von Trumps Inszenierungen weit weniger beeindrucken, als der Präsident offenbar noch immer hofft. Die Machthaber im Iran wissen genau, wo die Grenzen amerikanischer Macht liegen. Ohne Bodentruppen bleiben Luftangriffe ein begrenztes Druckmittel. Schickt Trump Soldaten, droht ihm innenpolitisch ein Desaster. Schickt er keine, bleibt Teheran genügend Spielraum, Zeit zu gewinnen und die US-Regierung immer wieder vor neue heikle Entscheidungen zu stellen.

Im Video | Trump patzt vor laufenden Kameras

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Trump wirkt zunehmend inkompetent

Für seine falschen Annahmen zahlt Trump längst nicht nur außenpolitisch, sondern vor allem innenpolitisch einen hohen Preis.

Verheerend wirkt in den USA noch immer der Angriff auf eine Schule zum Kriegsbeginn nach. Dabei sollen laut Berichten mehr als 100 Kinder ums Leben gekommen sein. Jetzt wurde bekannt, dass die Trump-Regierung Warnungen ignorierte und auf veraltete Geheimdienstinformationen setzte. Warnungen jener Nachrichtendienste, denen er einst Inkompetenz vorwarf. Das lässt den Präsidenten inkompetent erscheinen.

Noch viel gefährlicher aber bleibt für ihn die wirtschaftliche Bilanz. Trump wurde mit dem Versprechen gewählt, die Inflation zu senken und Benzinpreise niedrig zu halten. Genau deshalb reagieren die Finanzmärkte fast reflexartig auf jedes seiner Worte. Als Trump nun in Ankara erklärte, die Waffenruhe sei faktisch beendet, schossen die Ölpreise sofort wieder nach oben.

Die Auswirkungen spüren die Menschen in den USA jeden Tag, ganz konkret. Steigende Energiepreise verteuern Beförderung, Lebensmittel und das tägliche Leben der Amerikaner, und das ausgerechnet wenige Monate vor den Zwischenwahlen im November. Längst liegt Trump in den Umfragen zum Thema Wirtschaftskompetenz bei historisch niedrigen Werten. Den politischen Preis zahlen hauptsächlich die zur Wahl stehenden Republikaner.

Trumps Zwickmühle ist für jeden offensichtlich

Trump steckt fest in einem politischen Zielkonflikt, aus dem es kaum einen eleganten Ausweg gibt. Eskaliert er militärisch weiter, wonach es jetzt wieder aussieht, steigen Kosten, Risiken sowie die Zahl der einzusetzenden amerikanischen Soldaten und des Kriegsgeräts im Nahen Osten. Das ist nicht nur ein Bruch mit seinem eigenen Versprechen, keine neuen endlosen Kriege zu führen. Der US-Regierung geht für diesen inzwischen rund 130 Tage andauernden Krieg buchstäblich das vom Kongress bewilligte Geld aus.

Hält sich Trump aber zurück, kann Teheran nicht nur nach innen den Eindruck vermitteln, den mächtigsten Mann der Welt einfach ausgetrickst zu haben. Die Mullahs können mit ihren Nadelstichen in der Straße von Hormus jederzeit neues Chaos und neue wirtschaftliche Unsicherheiten anzetteln und so an ihrem Wiedererstarken arbeiten.

Trump beschimpfte in Ankara die iranischen Machthaber als "cuckoo", also als verrückt geworden. Immer mehr Menschen in den USA werfen aber genau das dem Präsidenten selbst vor. Wenn der US-Präsident keinen klugen Ausweg findet, wächst die Überzeugung, dass nicht in Teheran, sondern im Weißen Haus ein Verrückter sitzt.

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