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Orgo-Life the new way to the future Advertising by AdpathwayErster Minister setzt Krisenrunde an
"Sehr angespannte Situation"
Aktualisiert am 04.08.2026 - 09:51 UhrLesedauer: 4 Min.
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Im Video: Wie das Niedrigwasser den Fährverkehr ausbremst. (Quelle: reuters)
Die Hitzewelle erreicht die Politik. In Frankreich inszeniert Le Pen die extreme Hitze als Staatsversagen. In Deutschland tagt eine erste Krisenrunde der Bundesregierung.
Die Hitze liegt über Europa. Und sie beschäftigt nicht allein die Bevölkerung. Auch der Wirtschaft machen die Folgen der hohen Temperaturen zu schaffen.
Die Allianz nennt für Deutschland schon einmal Zahlen: Auf rund 130 Milliarden Dollar – umgerechnet rund 112 Milliarden Euro beziffert der Versicherungskonzern die zu erwartenden Ausfälle für die deutschen Unternehmen bis zum Jahr 2030, wenn der gegenwärtige Trend zu Extrem-Sommern anhält. Zudem drohen Steuerausfälle. Die Hitzewelle erreicht die Politik.
"The Economic Cost of Extreme Heat" – Die wirtschaftlichen Kosten der extremen Hitze – lautet der Titel der Allianz-Analyse. Unter anderem hält die Studie fest: "Pro zusätzlichem Grad über 30 Grad Celsius sinkt die Produktivität um etwa 3 Prozent. Gleichzeitig steigen die Energiekosten um etwa 1,2 Prozent pro Grad durch einen höheren Kühlbedarf."
In Frankreich prescht Rechtsaußenpolitikerin Marine Le Pen vor. Nach den verheerenden Waldbränden brandmarkt Le Pen das Krisenmanagement von Präsident Emmanuel Macron als Staatsversagen, in Ungarn geht das einzige Atomkraftwerk vom Netz, in den Niederlanden müssen wegen der Trockenheit Schleusen schließen, so ruht der Schiffsverkehr.
Ein Blick auf die politischen Auswirkungen der Hitzewelle in Europa.
Le Pen rückt Macrons Krisenmanagement ins Zentrum
Ein Wort reicht in Frankreich, um Emotionen auszulösen: Canadair. Präsident Emmanuel Macron hatte die Beschaffung neuer Löschflugzeuge versprochen. Doch blieb die Lieferung neuer Flieger vom Typ Canadair aus, weil der neue Hersteller nicht mit der Produktion hinterherkam. Kurzfristig wurde ein Spezial-Airbus vom Typ A400M eingesetzt. Das Löschflugzeug ist seit Jahren im Dienst, absolvierte aber während der verheerenden Waldbrände in der Gironde seinen ersten Übungsflug. So gab es Kritik – an Macron und dem staatlichen Krisenmanagement.
Rechtspopulistin Marine Le Pen nutzt das vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr aus. Hitzewelle auf Hitzewelle folgt in diesem Sommer in Frankreich. Teilweise waren die Kliniken überlastet. Frankreichs Staatsbahn SNCF meldet wegen der hohen Temperaturen Probleme mit den Gleisen. Le Pen inszeniert die Krise als Staatsversagen. Vom "Plan clim" spricht Le Pen nur kurz, dem Klimaanlagen-Plan. Bis 2035 sollen 40 Milliarden Euro mobilisiert werden, die Hälfte davon soll in die Ausstattung von Kliniken, Kitas, Schulen und Altersheimen mit Klimaanlagen fließen. "Die flächendeckende Ausstattung all unserer öffentlichen Einrichtungen – angefangen bei jenen, in denen besonders schutzbedürftige Menschen untergebracht sind – ist eine Entscheidung der öffentlichen Gesundheit", so Le Pen.
Trockenheit rührt am Selbstverständnis der Niederlande
In den Niederlanden bleiben ab Mittwoch alle Schleusen rund um Rotterdam und Den Haag dicht. Der Grund für die drastische Maßnahme: die schlimmste Trockenheit seit 1976. Schon im Juli hatten die Niederlande Alarmstufe 2 wegen anhaltender Dürre ausgelöst. Nun gehen die Schleusen dicht. Die langsamere Fließgeschwindigkeit der Flüsse soll die Grundwasserpegel ansteigen lassen. Zudem ist es den Landwirten in vielen Regionen versagt, Flusswasser zur Beregnung der Felder zu verwenden. Schon warnen Agrarverbände vor steigenden Kosten für Obst und Gemüse.
Bereits im Frühjahr musste das niederländische Militär den wichtigen Truppenübungsplatz in t'Harde zeitweise schließen: Auf dem Gelände wütete ein Waldbrand. Auf dem Terrain werden auch ukrainische Militärs geschult. Die Hitze trifft auch die Sicherheit.
Von den Deichen müssen erste Schafe und Kühe weichen. Das Gras ist derzeit zu trocken. Wird es weiter abgefressen, kann sich die Grasnarbe bis zur Sturmsaison im Herbst nicht erholen.
Die Trockenheit trifft das Land auch an anderer Stelle. Bis zu seiner Thronbesteigung 2013 war König Willem Alexander jahrelang Vorsitzender des Wasserrates der UN. Wassermanagement und Deichbau gehören auch zum Exportschlager im Land. Die Dürre kratzt nun am Image der selbsternannten Wasserbeherrscher.
Die Watershappen, wie die regionalen Wasserverbände in den Niederlanden heißen, regeln seit dem 12. Jahrhundert die Verteilung der Ressourcen im Land. Sie sind der Kern für Ausgleich und die niederländische Konsenskultur.
Ungarn kämpft mit Strommangel
In Ungarn muss das Atomkraftwerk Paks vom Netz. Die Pegelstände der Donau sind zu niedrig, um Kühlwasser für die Anlage zu entnehmen. Im Jahr 1982 wurde der Reaktor erstmals hochgefahren. Nun wird es kurzzeitig abgeschaltet, wie Ministerpräsident Péter Magyar erklärte.
Paks liefert knapp die Hälfte des Stroms im Land. Regierungschef Magyar verfügte per Verordnung, dass die Stromversorgung für Großverbraucher in der Industrie eingestellt werden könne, falls diese "die von ihnen erwartete Verringerung des Verbrauchs nicht umsetzen." Industrieunternehmen wie Mercedes müssen im Land die Produktion drosseln. Die Klimaanpassung wird für den neuen Regierungschef zur nächsten Bewährungsprobe.
Deutschland sucht nach klimaresistenter Infrastruktur
Die anhaltende Trockenheit lässt die Pegel im Rhein sinken. Das trifft die Schifffahrt – und die Industrie entlang des Flusses, die um ihre Logistikketten bangen. Der pfälzische Chemiegigant BASF bezieht im Stammwerk Ludwigshafen rund 40 Prozent seiner Güter über den Rhein. Der Konzern steuerte schon vor Jahren um und orderte Spezialschiffe, die auch noch bei einem Pegelstand von dreißig Zentimetern mit gut 200 Tonnen den Fluss befahren können. Eine Ausnahme.
Jetzt handelt die Politik. Der neue Verkehrsminister Steffen Bilger setzte für Donnerstag eine Krisenrunde in Berlin zum Thema Niedrigwasser an. Von einer "sehr angespannten Situation" sprach Bilger vor dem Sondertreffen in Berlin. Wasser wird plötzlich zum Standortfaktor. Deutschland benötigt eine Infrastruktur, die auch auf hohe Temperaturen ausgelegt ist.
Die Allianz-Studie verweist zudem auf eine weitere Folge der Hitzewelle: sinkende Steuereinnahmen. "Die jährlichen Steuereinnahmen fallen in Deutschland rund 0,7 Prozent niedriger aus, gleichzeitig steigen Ausgaben beispielsweise für Gesundheit, Infrastruktur und soziale Sicherungssysteme. Im Schnitt verschlechtert sich die Haushaltslage hitzebedingt um etwa 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Jahr", hält die Allianz-Erhebung fest. Die Hitze drückt auch auf die Staatskasse.
Bilanz
Die Hitzewelle ist mehr als ein Wetterphänomen. Die hohen Temperaturen belasten auch die Wirtschaft und das Gesundheitssystem. In der EU hat Deutschland laut Allianz-Studie nach Italien, Frankreich und Spanien die vierthöchste Zahl an Hitzetoten. Das Robert Koch-Institut zählte seit Juli rund 10.000 zusätzliche Todesfälle im Land. "Insgesamt mangelt es jedoch weiterhin an Investitionen in die Hitzeresilienz, um eine hitzeresistente Gesellschaft zu gewährleisten", moniert die Allianz-Studie.
Nach Frankreich (208 Milliarden Euro) und Italien (128 Milliarden Euro) zählt die deutsche Wirtschaft mit drohenden Schäden von 112 Milliarden Euro bis 2030 zu den großen Hitze-Verlierern in Europa.


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