PROTECT YOURSELF with Orgo-Life® QUANTUM TECHNOLOGY
Orgo-Life the new way to the future Advertising by Adpathway
Fifa-Präsident Gianni Infantino fordert seine Kritiker auf, zu reflektieren, zu meditieren, zu beten oder ein Fußballspiel anzuschauen. (Quelle: Mark Pain/imago)
Gianni Infantino hat das Spiel verloren. Er wollte den Fußball verkaufen und als Autokrat über ihn herrschen. Das haben die Europäer verhindert. Spät, aber nicht zu spät.
Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen. Jesaja 5,20, Altes Testament. Ja, wenn es um Fußball geht, um unseren Fußball, dann sind wir mittendrin in den großen Fragen der Menschheit, in biblischen Dimensionen und epischen Auseinandersetzungen. Wehe denen, die ein Haus an das andere reihen und einen Acker an den anderen fügen, droht Jesaja den Reichen. Gianni Infantino reiht ein Spiel an das andere, fügt einen Deal an den anderen.
Der Fifa-Präsident ist römisch-katholisch getauft. Vor ein paar Tagen hat er auf seinem persönlichen Instagram-Account selbst auf die christliche Rhetorik zurückgegriffen. Er warf seinen Kritikern, also uns allen, vor, Hass und falsche Gerüchte zu verbreiten, er forderte uns auf, zu reflektieren, zu meditieren, zu beten oder ein Fußballspiel anzuschauen. Leider pausiert der Bundesliga-Fußball gerade, und eine Kolumne ist weder ein Gebet noch eine Meditation. Aber reflektieren, das passt.
Also, denken wir noch einmal nach über den selbsternannten Propheten des Weltfußballs. Welche Botschaften hat er ausgesandt in den vergangenen Monaten? Im Dezember 2025, als der Spielplan der Fußball-WM ausgelost wurde, überreichte er Donald Trump den Fifa-Friedenspreis. Die Jury, die Trump für diesen Preis ausgewählt hatte, bestand aus einer Person: Gianni Infantino.
Als das Turnier begann, wollte die iranische Mannschaft ihr Quartier in Tuscon/Arizona aufschlagen. Der Friedenspreisträger führte aber gerade Krieg gegen den Iran, seine Regierung verweigerte den Spielern und ihrem Tross das Visum. Auch Omar Artan durfte nicht einreisen. Der 34-Jährige, Afrikas Schiedsrichter des Jahres, kam aus Istanbul mit einem gültigen Visum und einem Diplomatenpass am Flughafen in Miami an. Dort wurde er elf Stunden lang verhört, abgewiesen und musste zurückfliegen. Trumps Leute machten Sicherheitsbedenken geltend, der Mann stammt aus Somalia, Somalier sind Trumps Leuten prinzipiell verdächtig.
Tue deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind – auch das steht im Alten Testament. Infantino tat seinen Mund nicht auf, die ganze Fifa schwieg. Sie kniete vor Trump, huldigte dem weltlichen Herrscher, buhlte um dessen Gunst. Und wir, die wir doch eigentlich das Böse böse nennen sollen, haben zwar leise gegrummelt, aber nicht laut protestiert. Wir, die Medien. Wir, die Europäer. Wir, die Liebhaber des Fußballs.
Im Spiel der Vereinigten Staaten gegen Bosnien-Herzegowina wurde der US-Stürmer Folarin Balogun wegen eines groben Fouls vom Platz gestellt, was automatisch eine Sperre für das nächste Spiel nach sich zog. Trump rief Infantino an und forderte ihn auf, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. In einem bizarren Auftritt im Oval Office stellte der US-Präsident fest, das sei gar kein Foul gewesen, er beschwerte sich über den Schiedsrichter und verblüffte mit profundem Unwissen über die Rote Karte und andere Regeln des Fußballspiels. Kurz darauf wurde die Sperre rückgängig gemacht, Balogun durfte im nächsten Spiel gegen Belgien dabei sein. Trump bedankte sich auf seiner Plattform Truth Social beim Fifa-Boss dafür, dass er eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habe.
Ein Mensch der Ungerechtigkeit ist den Gerechten ein Gräuel – Sie ahnen es, Altes Testament, einer von Salomos Sprüchen. Spätestens mit der Balogun-Aktion ist Infantino den Europäern, zusammengeschlossen in der Uefa, ein Gräuel geworden, jetzt sprachen sie von Grenzüberschreitung, von roten Linien, sie äußerten ihren Unmut nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand, sondern protestierten offiziell. Gianni Infantino aber war längst in die Welt seines Autokraten-Freundes Donald Trump entschwunden, er hielt sich für unfehlbar und für allmächtig. Die Europäer? Schwächlinge, Versager, Alte Welt.
Die Fifa hat 211 Mitglieder, jeder Verband hat eine Stimme, wie bei den Vereinten Nationen, nur ohne Sicherheitsrat und Vetorecht der Großmächte. Der Globale Süden hat die Mehrheit, Afrika, Asien, Ozeanien. Infantino inszeniert sich als Mann der Underdogs, als einen, der die Interessen der Kleinen gegen die Eliten der Fußballwelt vertritt. Er war es, der 48 Teilnehmer bei der WM erlaubte, sonst wären Curaçao oder Jordanien wahrscheinlich niemals dabei gewesen. Er bringt seit Jahren die Milliarden US-Dollar, die gleichmäßig auf alle verteilt werden, Curaçao bekommt so viel wie Deutschland. Für Curaçao sind acht Millionen Dollar ein Vermögen, für den DFB oder die Football Association in England handelt es sich um Kleingeld. Das ist Demokratie, sagt Infantino.
Nach der WM ist Gianni Infantino den einen entscheidenden Schritt zu weit gegangen. Sein Plan war, die kommerziellen Rechte an den Turnieren der Fifa zu verkaufen. Also die Fernsehrechte, die Werbeerlöse, die Ticketeinnahmen. Der Weltverband wollte eine Tochtergesellschaft gründen, die die Aktivitäten wie eine Fußball-WM organisiert. 20 bis 30 Prozent der Rechte sollten an kapitalistische Investoren gehen dürfen, die ganz zufällig von Joshua Kushner, dem Bruder von Trumps Schwiegersohn, angeführt wurden. Die Ausschüttungen an die Verbände, so sein Versprechen, würden von acht auf 20 Millionen Dollar steigen. Falls Stimmenkauf und Korruption juristische Begriffe sind, nehme ich sie hiermit zurück. Aber Sie wissen schon, was ich meine.
Moralisch hat die Fifa unter Infantino ihren Bankrott erklärt, als sie, die Hüterin des fairen und regelbasierten Spiels, Fairness und Regeln mit Füßen trat, um Trump zu gefallen. Politisch hat Infantino abgewirtschaftet, weil er den Weltverband gespalten hat, statt ihn zu einen. Eingeschritten sind die Europäer allerdings erst, als es ums Geschäft ging. Er wollte sein Business über ihres stellen. Die neue Investoren-Fifa hätte die WM vielleicht alle zwei statt vier Jahre veranstaltet, dann wäre die Europameisterschaft erledigt gewesen. Würde die Fifa ihre Klub-WM ausbauen, ginge das direkt gegen die Champions League. Es gibt noch viele Formate und Ligen, die man erfinden kann, um, wie Infantino sagt, den Fußball noch globaler und demokratischer zu machen.
Die Großmächte des Fußballs hätten sich diesem Mann schon längst in den Weg stellen können, sogar müssen. Wenn Spanien und Frankreich, England und Deutschland sich mit Brasilien und Argentinien verbünden, wird nach ihren Regeln gespielt, nicht nach seinen. Von der Teilnahme dieser Fußballmächte hängt der sportliche und wirtschaftliche Wert der WM ab. Ja, das ist Machtpolitik, das klingt so, als sollten die alten Kolonialmächte ihre Imperien wieder aufbauen. Aber auch Paraguay gewinnt lieber gegen Deutschland als gegen Katar, Bosnien-Herzegowina ist stolz darauf, die Qualifikation gegen Italien geschafft zu haben, nicht nur gegen San Marino.
Es geht nicht um Kolonialismus, sondern um Verantwortung. Die 55 Mitglieder der Uefa haben diese Verantwortung jetzt übernommen. Sie haben Infantinos Macht gebrochen. Auch die Nord- und Mittelamerikaner hat er verloren, seine Wiederwahl im nächsten Jahr ist gefährdet, falls er überhaupt bis dann durchhält. Der Fifa-Boss ist ab sofort die Lame Duck des Weltfußballs.
Zum Schluss noch ein Versprechen Salomos: Die Gerechtigkeit wird siegen. Wer den Fußball kennt, weiß, dass das nicht immer stimmt. Aber im Spiel Infantino gegen den Fußball hat der Fußball gesiegt. Das ist doch gerecht so.


7 hours ago
1
















English (US) ·
French (CA) ·
French (FR) ·