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FDP-Kandidat Höne im Interview: "Mich regt der fette Staat auf"

3 weeks ago 10

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FDP-Kandidat Höne

"Mich regt der fette Staat auf"


Aktualisiert am 09.05.2026 - 10:45 UhrLesedauer: 8 Min.

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Henning Höne, Fraktionschef der Liberalen in Nordrhein-Westfalen: Er will Nachnachfolger von Christian Lindner werden.. (Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Die FDP sucht einen neuen Parteichef. Wolfgang Kubicki gilt als Favorit. Sein Herausforderer Henning Höne erklärt, warum er trotzdem im Rennen bleiben will und was sich in der Arbeitsmarktpolitik tun muss.

Die Tage von Henning Höne sind in diesen Wochen lang und sie sind voll. Landauf, landab ist er unterwegs: Erst nach Berlin, dann wieder nach Düsseldorf, ehe es ab nach Bingen zum Bundeskongress der Jungen Liberalen geht, am Sonntag dann wieder zurück in die Hauptstadt.

Grund für Hönes Deutschlandtour: Der 39-Jährige will FDP-Chef werden. Am 30. Mai wählen die Liberalen einen Nachfolger für den glücklosen Christian Dürr, der die Parteiführung vor erst einem Jahr von Christian Lindner übernommen hat.

Hat Höne, der aktuell Chef von Landesverband und Fraktion in Nordrhein-Westfalen ist, eine Chance? Viele in der Partei sagen Nein. Zu erdrückend groß in Bekanntheit und Popularität erscheint sein Widersacher Wolfgang Kubicki. Und doch: Gänzlich ausgeschlossen scheint ein Sieg Hönes nicht zu sein. Im Interview erklärt er, was er mit der FDP vorhat. Zudem fordert er: Für mehr Wachstum brauche es mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt.

t-online: Herr Höne, die allermeisten Menschen dürften Sie kaum kennen. Weil Sie ja FDP-Chef werden wollen: Sind Sie eher ein Hans-Dietrich Genscher oder ein Guido Westerwelle?

Henning Höne: Ich bewundere sowohl Hans-Dietrich Genscher als auch Guido Westerwelle, aber: Ich bin Henning Höne. Und ich stelle fest, dass die FDP in einer Vertrauenskrise steckt und es für einen echten Neustart jetzt neue Köpfe braucht. Diesen Neustart biete ich der Partei an.

In nur zwei, drei Sätzen, bitte: Wofür stehen Sie?

Ich bin ein bodenständiger Münsterländer, Familienvater und durch und durch Liberaler. Mich regt der fette Staat auf, der dem einzelnen Menschen in den Alltag reinregiert und ihm im Weg steht. Meine Grundüberzeugung ist: Das Beste liegt noch vor uns – und erreichen können wir es, indem wir den Menschen wieder zutrauen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Sie treten an gegen Wolfgang Kubicki, den jeder in Deutschland kennt, zu dem jeder eine Meinung hat. Ein ungleiches Rennen um den Parteivorsitz, in dem Sie der Außenseiter sind. Wann brechen Sie es ab?

Die schönsten Pokalspiele sind doch die, bei denen der Außenseiter mit dem besseren Plan den Etablierten schlägt. Ich habe also nicht vor, dieses Rennen abzubrechen. Meine Kandidatur habe ich mir wohl überlegt. Voraussetzung war nicht, dass es keinen Gegenkandidaten gibt. Wir führen jetzt einen fairen Wettstreit um die künftige Aufstellung der FDP. Und am Ende entscheidet der Parteitag über den Neustart der FDP.

Viele in der Partei sagen dennoch: Am besten wäre es, Sie zögen zurück, gehen unbeschädigt in die NRW-Landtagswahl 2027 und werden dann in einem Jahr Kubickis Nachfolger an der Parteispitze.

Diese Gedankenspiele sind mir bekannt. Mein Rat an die FDP ist, wir sollten uns jetzt nicht kurzfristig zu Tode taktieren. Die Partei braucht eine langfristige Strategie. Und die kann nicht nur lauten: Hauptsache, bekannte Gesichter an der Spitze.

Aber stimmt es denn nicht, dass Wolfgang Kubicki der Aufmerksamkeitsgarant schlechthin ist – und Aufmerksamkeit in der außerparlamentarischen Opposition das Wichtigste ist, um nicht in Vergessenheit zu geraten?

Natürlich ist Bekanntheit eine Währung in der Politik. Für Aufmerksamkeit brauchte Wolfgang den Bundesvorsitz bislang aber auch nicht. Wir sollten zudem nicht vergessen: Im Endspurt des Bundestagswahlkampfs 2025 plakatierte die FDP neben Christian Lindner Wolfgang Kubicki. Bekanntheit allein hat also ganz offensichtlich auch nicht ausgereicht. Eine Partei, die nur auf jene setzt, die schon jeder kennt, kann sich nicht erneuern. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Schaut man sich die Umfragen an, könnte man annehmen: In einer unsicheren Welt, die viele überfordert, haben nur noch wenige Menschen ein Interesse an liberaler Politik. Warum braucht es die FDP überhaupt noch?

Dieser Gedanke mag angesichts der Weltlage naheliegen, ich teile ihn aber ausdrücklich nicht. Das liberale Lebensmodell steht überall unter Druck, die soziale Marktwirtschaft steht in einem Systemwettbewerb mit Autokratien wie China. Und es gibt zahlreiche Fragen, auf die nur der Liberalismus die richtigen Antworten hat. Erstes Beispiel: Wie bekommen wir wieder mehr Wirtschaftswachstum? Durch mehr unternehmerische Freiheit. Zweites Beispiel: Wie stellen wir sicher, dass im KI-Zeitalter niemand Schindluder mit unseren Daten treibt? Indem wir die Bürgerrechte jedes Einzelnen nicht aus dem Blick lassen. Beispiel drei: Wie lösen wir das gesellschaftliche Aufstiegsversprechen ein? Durch gerechte Startchancen ins Leben, also durch bessere Bildung, vor allem für die Allerkleinsten.


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Wenn sich Demokraten vor Autoritären verstecken, können sie nur verlieren.


HEnning Höne


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Klingt alles gut, aber die Wähler finden die politischen Ränder, AfD und auch die Linke, als Opposition zur Regierung offenbar doch interessanter.

Dann ist es unsere Aufgabe als FDP, wieder Lust auf unsere Antworten zu machen. Lust auf eine optimistische Zukunftserzählung. In den ersten außerparlamentarischen Jahren ist uns das gut gelungen. Das positive liberale Leitbild, das wir nach 2013 erarbeitet haben, hat uns sehr erfolgreiche Wahlkämpfe in den Jahren 2017, 2018 und 2019 ermöglicht. Da waren wir verdammt nah an der Ideallinie. Je weiter wir uns von unserem Leitbild entfernt haben, desto schwerer wurde es.

Mancher in der FDP wünscht sich, dass sich die Partei zwischen AfD und CDU positioniert. Sie halten das für falsch. Würden Sie trotzdem an einer Podiumsdiskussion mit AfD-Politikern teilnehmen?

Ja.

Warum?

Weil der bisherige Weg des Ausgrenzens ganz offensichtlich gescheitert ist. Wir müssen uns mit der AfD im Wettbewerb auseinandersetzen – und dann überzeugen. Bitte nicht falsch verstehen: Ich will keinesfalls eine Normalisierung dieser Partei, eine Zusammenarbeit kann es mit der AfD nicht geben. Aber diskutieren müssen wir mit ihr, nur so funktioniert Demokratie. Wenn sich Demokraten vor Autoritären verstecken, können sie nur verlieren.

Sie haben diese Woche Ihren Vorschlag für die Generalsekretärin präsentiert, Alena Trauschel aus Baden-Württemberg. Mussten Sie so lange suchen, oder warum haben Sie sich damit bis jetzt Zeit gelassen?

Die Suche nach einer passenden Generalsekretärin dauert immer ein bisschen, es soll ja auch eine gute Kandidatin für das Amt sein. Und genau das ist sie: Alena Trauschel ist ein herausragendes politisches Talent mit vielen Ideen für die Zukunft unserer Partei. Sie ist genau die Richtige für diesen Job. Diejenige, die wir jetzt an der Spitze brauchen.

Böse Zungen in der FDP sagen: Eine, die mehrfach die Studiengänge wechselt, passt kaum zum Anspruch einer Leistungsträgerpartei.

Das finde ich frech. Jeder, der Interesse hat, kann auf dem Parteitag ihre Abschlussarbeit lesen. Alena hat das Studium parallel zur intensiven Arbeit als Landtagsabgeordnete abgeschlossen. Dieser Spagat verdient Respekt. Wir müssen uns schon entscheiden, ob wir junge Menschen in der Politik haben wollen oder nicht.

Lassen Sie uns über die Arbeit der Bundesregierung sprechen, die ein Jahr nach Amtsantritt nun endlich die großen Reformen anstößt. Die FDP versteht sich ja stets als Reformkraft – wie ist Ihr Blick auf Schwarz-Rot?

Dass die aktuelle Regierung noch unbeliebter ist als die Ampel in ihrer Endphase, hat meines Erachtens einen einfachen Grund: Friedrich Merz ist nur darin verlässlich, immer das genaue Gegenteil dessen zu machen, was er vor der Wahl versprochen hat. Er wollte keine neuen Schulden, dann hat er den größten Schuldenberg in der Geschichte des Landes aufgetürmt. Er wollte keine ewig werkelnden Expertenkommissionen, am Ende aber sind fast alle großen Reformfragen in solchen Runden gelandet. Ich kann sehr, sehr gut verstehen, dass viele Menschen deshalb enttäuscht sind.

Zur Person

Henning Höne, Jahrgang 1987, sitzt seit 2012 im nordrhein-westfälischen Landtag, seit 2022 ist er Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in NRW. Zudem führt er seit 2023 den Landesverband der FDP Nordrhein-Westfalen und ist seit 2025 stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender. Höne ist studierter Betriebswirt, verheiratet und Vater zweier Kinder.

Aber die Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung ist doch jetzt schon ein ziemlich umfassendes Reform- und Sparpaket. Ganz wie versprochen.

Von wegen Sparpaket! Wenn es denn nur so wäre! Der Verband der Metall- und Elektroindustrie hat das mal durchgerechnet. Allein in ihrer Branche kostet die GKV-Reform Arbeitnehmer und Arbeitgeber rund eine Milliarde pro Jahr. Die Lohnnebenkosten sinken also nicht, sie stagnieren bei einem Niveau von deutlich über 40 Prozent. Wenn wir wollen, dass der Standort Deutschland wieder attraktiv wird, müssen die Kosten für Arbeit sinken. Und: Wir brauchen weitaus mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt.

Was schwebt Ihnen da vor?

Aktuell ist es so, dass viele Regelungen neue Arbeitsplätze verhindern. Ein Beispiel ist der allgemeine Kündigungsschutz, der für alle Unternehmen ab einer Betriebsgröße von elf Mitarbeitern greift. In vielen kleinen Firmen heißt das: Der elfte Arbeitsplatz entsteht gar nicht erst, weil die Unternehmer nicht unter die viel zu strengen Kündigungsgesetze fallen wollen. Mein Vorschlag deshalb: Der allgemeine Kündigungsschutz sollte erst für Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern gelten. Das gibt der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt einen Riesenschub.


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Die gesetzlich mögliche Probezeit sollte nicht sechs, sondern bestenfalls zwölf Monate betragen


Henning Höne


Ein Vorschlag, gegen den Gewerkschaften Sturm laufen dürften.

Mag sein, aber deshalb muss er ja nicht falsch sein. Eine weitere Idee: Die gesetzlich mögliche Probezeit sollte nicht sechs, sondern bestenfalls zwölf Monate betragen. Selbstverständlich für beide Seiten, für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Das würde ebenfalls für mehr Flexibilität sorgen und mehr Einstellungen und Wachstum zur Folge haben, weil sich nicht schon nach einem halben Jahr entscheidet, ob Angestellter und Unternehmen wirklich gut zueinander passen. Außerdem sollten wir über feste Regeln für Abfindungen nachdenken.

Was meinen Sie damit?

Momentan münden viele Kündigungen in entsprechende Kündigungsschutzklagen und langwierige Rechtsprozesse, in denen sich beide Parteien mühselig und zu hohen Anwaltskosten auf eine Abfindung einigen. Das Beispiel Italien zeigt, dass das nicht sein muss. Dort gibt es gesetzliche Vorgaben, die abhängig von der Betriebszugehörigkeit ganz klar regeln, wie viel Geld es gibt. Auch das würde mehr Geschwindigkeit in den Arbeitsmarkt bringen.

Diese Hire-and-fire-Vorschläge wirken wenig zeitgemäß: Wegen des Fachkräftemangels und der Alterung der Gesellschaft haben viele Unternehmen derzeit doch sowieso kein Interesse daran, ihre Mitarbeiter loszuwerden.

Sehr vielen Firmen geht es so, das stimmt. Allerdings gibt es eben doch auch solche Unternehmen, die sich restrukturieren müssen, weil sie sonst pleitegehen. Zudem haben wir in Deutschland ja auch rund drei Millionen Arbeitslose. Auch die würden davon profitieren, wenn sie öfter eine Chance in den Unternehmen bekämen. Das Gleiche gilt für Berufseinsteiger. Zugleich muss die Politik dafür sorgen, dass sich mehr Arbeit auch mehr lohnt.

Jetzt kommt der liberale Evergreen: runter mit der Einkommensteuer.

Ja, das auch, aber es geht noch um mehr. Um mehr und um bessere Kinderbetreuung und um mehr Pflegeangebote für Menschen mit kranken oder alten Angehörigen. Wenn eine Mutter in Teilzeit wieder Vollzeit arbeiten will, das Nettoplus aber gänzlich für die Steuerprogression und die höheren Kitagebühren draufgeht, läuft etwas falsch.

Wollen Sie also kostenfreie Kindergärten?

Nein. Ich erlebe ganz viele Eltern, die für eine qualitativ hochwertige Betreuung gern auch einen angemessenen Beitrag bezahlen, wenn sie dafür verlässliche Öffnungszeiten und wenig Chaos im Alltag bekommen. Kinderbetreuung muss und darf Eltern auch etwas kosten. Aber diese Kosten dürfen nicht dazu führen, dass die Eltern lieber nicht arbeiten gehen, weil es sich finanziell nicht lohnt.

Was meinen Sie damit?

Wir blicken in der Bildungspolitik zu häufig zu stark auf die Gymnasien und die Hochschulen. Kindergärten und Grundschulen werden stiefmütterlich und mit zu wenig Wertschätzung behandelt. Dabei sind gerade die allerersten Jahre entscheidend für die gerechten Startchancen jedes Einzelnen ins Leben. Ich habe mich früher selbst nie damit anfreunden können, inzwischen denke aber auch ich: Es wäre gut, wenn alle Grundschulen den Unterricht bis in den Nachmittag ausweiten. Damit alle Kinder gleichermaßen gut betreut Hausaufgaben machen können. Und nicht nur diejenigen, bei denen sich die Eltern zu Hause gut drum kümmern. Was solche Strukturen angeht, kann der Westen Deutschlands eine ganze Menge vom Osten lernen.

Herr Höne, vielen Dank für dieses Gespräch.

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