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Estlands Ex-Präsident warnt Russland: "Dann erschießen wir sie"
04.10.2026 - 21:35 UhrLesedauer: 2 Min.

Toomas Hendrik Ilves (Archivbild): Der estnische Ex-Präsident spricht eine Warnung gegen den Kreml aus. (Quelle: imago stock&people/imago)
Der frühere estnische Präsident Ilves sieht in sogenannten "grünen Männchen" keine wirksame russische Strategie mehr. Sollte Russland bewaffnete Kräfte ohne Hoheitsabzeichen nach Estland schicken, werde sein Land mit Gewalt reagieren.
Estlands Ex-Präsident Toomas Hendrik Ilves rechnet derzeit nicht mit einer unmittelbar bevorstehenden russischen Invasion Estlands. Für den Fall eines Angriffs gibt er sich allerdings kompromisslos. Auf die Frage, wie Estland auf bewaffnete Kräfte ohne erkennbare Hoheitsabzeichen reagieren würde, sagte Ilves dem polnischen Portal "Onet": "Wenn Leute hier auftauchen, bewaffnet und ohne Hoheitsabzeichen – dann erschießen wir sie."
Ilves verwies dabei auf die Erfahrungen mit russischen Kräften ohne Hoheitsabzeichen seit 2014. "Das sagen wir im Grunde seit 2014: In Estland läuft man nicht ohne Hoheitsabzeichen mit einer Waffe herum. Das passiert hier schlichtweg nicht." Während die Polizei in anderen Ländern womöglich versuchen würde, solche Personen festzunehmen, gelte in Estland eine andere Reaktion, sagte Ilves: "Hier erschießen wir sie."
Damit hält der ehemalige Präsident das Szenario sogenannter "grüner Männchen" für überholt. Auf die Frage, ob "grüne Männchen" und Saboteure weiterhin Putins Trumpfkarte seien, antwortete Ilves: "Das funktioniert nicht mehr."
Auch die russischsprachige Bevölkerung Estlands werde sich nach seiner Einschätzung nicht als Instrument für eine russische Intervention nutzen lassen. "Die russischsprachigen Bürger in Estland werden auf die Russen schießen, wenn die hier einmarschieren. Sie wollen nicht Teil Russlands sein – deshalb leben sie hier", sagte Ilves. Die russische Darstellung, wonach die Rechte russischsprachiger Menschen in den baltischen Staaten verletzt würden, bezeichnete er als "Unsinn". "Die Menschen in Estland genießen volle Freiheiten, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft."
"Dann wäre das bereits eine Invasion"
Eine unmittelbare Angriffsgefahr aus Russland sieht Ilves dennoch nicht. Nach seinen Angaben gibt es derzeit keine Anzeichen für die umfangreichen militärischen und logistischen Vorbereitungen, die einem größeren Angriff vorausgehen würden. "Heute gibt es solche Signale nicht. Ich sehe keine Invasionsgefahr."
Gleichzeitig warnt der frühere Präsident davor, die Möglichkeit begrenzter russischer Operationen gegen Nato-Staaten zu unterschätzen. Estland sei auf einen solchen Fall besser vorbereitet als viele größere europäische Länder. Dank Wehrpflicht und Reservistensystem könne das Land innerhalb von "anderthalb bis zwei Tagen" eine große Zahl von Soldaten mobilisieren, "so viele wie Großbritannien derzeit in seiner Berufsarmee hat".


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