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Donald Trumps Weltsicht: Nur das ringt dem US-Präsidenten Respekt ab

2 weeks ago 6

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Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

vor knapp zwei Wochen konnte ich Donald Trump aus einiger Entfernung persönlich beobachten. Es war das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in New Jersey, bei dem ich im Stadion saß. Da schritt der US-Präsident gemeinsam mit Fifa-Boss Gianni Infantino zur siegreichen spanischen Nationalmannschaft, um den WM-Pokal zu überreichen.

Die Bilder gingen um die Welt. Trump und Infantino klammerten sich mit beiden Händen an den Pokal. Als Trump ihn schließlich dem spanischen Kapitän Rodri überreichte, machte der Trump mit einigen Gesten deutlich, dass er jetzt die Bühne verlassen könne. Doch Trump wartete noch einige Momente, bis Rodri den Pokal in den Himmel streckte. Der größte Erfolg im Leben der Fußballer, der US-Präsident wollte davon offenbar ein kleines Stück abhaben.

Ich musste gestern wieder an diesen Moment denken. Denn ich glaube, dass er nicht nur viel über Trumps Persönlichkeit verrät – sondern auch über die Art, wie Trump Politik und generell die Welt versteht.

Der Präsident lebt in einer Welt von Gewinnern oder Verlierern, der "Winner" und "Loser". Trump kann nur Siegertypen ernst nehmen – nicht zuletzt, weil er sich selbst für den vermutlich größten "Winner" mindestens der Gegenwart hält. Egal, was passiert, Trump will immer da sein, wo oben ist.

Für Politiker kann diese Erkenntnis sogar hilfreich sein. Denn sie macht Trump berechenbarer. Wer dem Präsidenten im Weißen Haus begegnet, sollte das mit Rückenwind tun. Oder noch besser: Trump an seinem eigenen Erfolg teilhaben lassen. Wer das nicht kann, sollte sich besser von dem US-Präsidenten fernhalten. Denn Trump tritt gerne auf Politiker ein, die bereits am Boden liegen.

Erfolgreichen Menschen begegnet Trump mit Respekt, Wertschätzung. Manchmal sogar mit leichter Unterwürfigkeit, wenn er dadurch einen Vorteil wittert. Und er sonnt sich eben auch gerne im Ruhm von Gewinnern – selbst wenn es sich um die siegreiche Mannschaft in einem Sport handelt, von dem er selbst keinerlei Ahnung hat.

Für Verlierer hat er nichts als Verachtung übrig. Nimmt Trump Schwäche wahr, nutzt er sie auf jede erdenkliche Art für sich aus. Verlierer werden von Trump schikaniert, unter Druck gesetzt und beleidigt, wann immer er kann.

Dieses Denken in Gewinnern und Verlierern prägt viele seiner Handlungen. Es erklärt, warum er Wladimir Putin applaudierte, als er ihn im vergangenen Jahr in Alaska traf. Es erklärt, warum er sich mit dem späteren New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani während des Wahlkampfs Schimpftiraden lieferte und ihn nach seinem Wahlsieg außerordentlich freundlich im Weißen Haus begrüßte. Und es erklärt, warum Trump recht emotionslos die Wahlniederlage von Viktor Orbán in Ungarn hinnahm. Gewinner werden hofiert, Verlierer fallen gelassen.

Ähnliches gilt auch für zwei Gäste, die Trump am Dienstag in Washington empfing. Im Weißen Haus waren nicht nur der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, sondern auch der Ministerpräsident von Israel, Benjamin Netanjahu, zu Besuch. Die wichtigsten Ergebnisse der Treffen hat mein Korrespondentenkollege Bastian Brauns für Sie zusammengefasst.

Selenskyj ist ein besonderer Fall. Für Trump war der ukrainische Präsident ein "Loser", dem er keinerlei Chance im Krieg gegen Russland einräumte. Und genau so wurde Selenskyj auch noch im Februar 2025 bei seinem ersten Besuch behandelt. Im Oval Office wurde er von Trump und dessen Vize JD Vance als undankbarer Versager dargestellt, der nur durch die Hilfe der USA überhaupt gegen die russischen Truppen bestehen könne. Das Treffen wurde abgebrochen, Selenskyj gar aufgefordert, das Weiße Haus zu verlassen.

Doch die Ukraine hat sich buchstäblich aus dieser Schublade herausgekämpft. Das Land hat in den vergangenen Monaten ein Drohnenprogramm entwickelt, das nicht nur Russland militärisch unter Druck setzt, sondern von dem nun auch Länder wie Deutschland und die USA lernen wollen.

Das ringt auch Trump Respekt ab. Der ukrainische Präsident habe zuletzt einen "erstaunlichen Job" gemacht, sagte der US-Präsident etwa beim jüngsten Nato-Gipfel in Ankara. Nach den Gesprächen am Dienstag dankte Selenskyj den USA für "ihre starke Unterstützung".

Auch hier versucht Trump, sich im ukrainischen Erfolg zu sonnen. Lange Zeit hatte er geglaubt, durch Druck auf die Ukraine einen Frieden erzwingen zu können. Doch aktuell scheint er die größeren Erfolgsaussichten zu sehen, indem er sich auf die Seite der Ukraine stellt. Es gilt auch hier: Trump positioniert sich dort, wo er in einem Konflikt den Gewinner vermutet. Selenskyj kann sich in diesem Moment möglicherweise seiner Loyalität sicher sein. Doch jede Bewegung auf dem Schlachtfeld, jedes neue Telefonat mit Wladimir Putin könnten das wieder zunichtemachen.

In einer anderen Situation befindet sich aktuell Benjamin Netanjahu. Der israelische Ministerpräsident ist in Trumps Logik mutmaßlich noch kein "Loser", aber könnte sich auf dem Weg dorthin befinden. Der gemeinsam begonnene Krieg im Iran stockt weiterhin und Trump sieht in dem israelischen Regierungschef im Moment offenbar eher einen Bremsklotz, der einem Ende des Krieges im Wege steht.

Die Stimmung zwischen beiden Staatschefs war zuletzt eher frostig. "Er wird tun, was ich ihm sage", hatte Trump vor einigen Wochen in Richtung des israelischen Regierungschefs gesagt. Auch ein wütendes Telefonat zwischen beiden wurde publik. Trump soll Netanjahu dort unter anderem als "total verrückt" beschimpft haben, weil dieser mit Angriffen im Libanon den Friedensprozess mit dem Iran behindere.

Netanjahu nannte die Gespräche vom Dienstag "exzellent", doch der Konflikt ist bislang nicht ausgeräumt. Laut Medienberichten soll Netanjahu geplant haben, in Washington Trump neue Geheimdienstinformationen zu iranischen Atomanlagen vorzulegen. Vermutet wird, dass er damit die USA zu weiteren Angriffen überreden wollte. Doch Trump ließ Netanjahu schon vor dem Treffen abtropfen. "Das brauche ich nicht von Bibi zu hören", sagte der Präsident in einem Telefoninterview in der Sendung "Fox and Friends". Denn er wisse selbst genau, was im Iran vorgehe.

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