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Die Linke: Elif Eralp und die Rote Hilfe – was hinter dem Verein steckt

1 week ago 3

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Mitgliedschaft in der Roten Hilfe

Was am Skandal um Elif Eralp wirklich dran ist


30.09.2026 - 10:57 UhrLesedauer: 4 Min.

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Elif Eralp beim Wahlkampfabschluss vor dem Roten Rathaus in Berlin (Archivbild): Die frühere Richterin gehört seit 2021 dem Abgeordnetenhaus an. (Quelle: Jörg Carstensen via imago-images/imago)

Die Wahlsiegerin der Senatswahl in Berlin, Elif Eralp, steht wegen ihrer früheren Mitgliedschaft bei der Roten Hilfe in der Kritik. Der Verein wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Elif Eralp will ins Rote Rathaus. Nun löst eine frühere Mitgliedschaft Wirbel aus: Jahrelang gehörte sie der Roten Hilfe an, die der Verfassungsschutz als linksextremistisch einstuft. Eralp war nach Angaben der Berliner Linken lediglich passives Mitglied. Ihre Mitgliedschaft war öffentlich angegeben. Bereits 2025 sei sie wegen teilweise abweichender politischer Ansichten ausgetreten, teilte die Partei mit.

Eine mögliche Regierende Bürgermeisterin als früheres Mitglied eines linksextremistisch eingestuften Vereins? Das klingt zunächst nach einem handfesten politischen Problem. Ganz so eindeutig ist der Fall allerdings nicht.

Was macht die Rote Hilfe?

Der Verein bezeichnet sich selbst als linke "Schutz- und Solidaritätsorganisation". Seine Arbeit beginnt meist dann, wenn Menschen wegen linker politischer Aktivitäten mit Polizei oder Justiz in Konflikt geraten. Die Rote Hilfe unterstützt etwa bei der Suche nach Anwälten oder bereitet nach eigenen Angaben Prozesse mit vor. Zudem beteiligt sie sich teilweise an Anwalts-, Gerichts- oder anderen Verfahrenskosten. Auch bei Geldstrafen kann sie finanzielle Unterstützung leisten.

Die Organisation versteht diese Hilfe ausdrücklich politisch. Nach ihrer Satzung unterstützt sie Menschen, die aus ihrer Sicht wegen linken Engagements verfolgt werden. Der Berliner Verfassungsschutz beschreibt es ähnlich: Entscheidend für eine Unterstützung sei die politisch linke Motivation der zugrunde liegenden Handlung.

Genau hier setzt die Kritik an: Das Bundesamt wirft dem Verein vor, linksextremistische Straftäter juristisch und finanziell zu unterstützen. Nach Auffassung der Behörde mindert das die abschreckende Wirkung von Strafverfahren. Sie kritisiert zudem, dass die Rote Hilfe innerhalb der Szene auch einen politischen Rahmen für Straf- und Gewalttaten schaffe und Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung unterstütze.

Der Berliner Verfassungsschutz zieht bei seiner Bewertung allerdings eine wichtige Grenze. Er führt die Rote Hilfe zwar als linksextremistische Organisation, ordnet sie aber dem nicht gewaltorientierten Linksextremismus zu. Das Unterstützungspotenzial des Vereins in Berlin beziffert die Behörde auf 2.650 Personen.

Zugleich weist der Verfassungsschutz ausdrücklich darauf hin, dass nicht alle Mitglieder der Roten Hilfe selbst verfassungsfeindliche Ziele verfolgen. Beobachtet wird der Verein wegen seiner politischen Ausrichtung und der Positionen seiner Entscheidungsträger. Das entspricht auch früheren offiziellen Berliner Verfassungsschutzberichten.

Von Weimar in den Widerstand

Die Geschichte des Namens "Rote Hilfe" beginnt lange vor den Aktivitäten der heutigen Organisation. 1924 entstand die Rote Hilfe Deutschlands als reichsweite Organisation. Sie stand der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) nahe und unterstützte Arbeiterfamilien und linke Aktivisten juristisch und finanziell. Einer ihrer Anwälte war Hans Litten, der später vor allem dadurch bekannt wurde, dass er Adolf Hitler 1931 in einem Prozess als Zeugen vernahm.

Nach dem Reichstagsbrand 1933 verboten die Nationalsozialisten die Rote Hilfe Deutschlands. Litten wurde festgenommen und nahm sich 1938 nach jahrelanger Haft, Folter und Misshandlungen im Konzentrationslager Dachau das Leben.

Mit dem Verbot verschwand die Arbeit der Roten Hilfe allerdings nicht sofort. Frühere Mitglieder und illegale Strukturen halfen weiter politischen Gefangenen und deren Familien und verbreiteten verbotene Schriften. Einige ehemalige Mitglieder beteiligten sich später auch unmittelbar am Widerstand gegen das NS-Regime.

Ein Beispiel ist Elisabeth Pungs. Sie war seit 1931 Mitglied der Roten Hilfe und stellte ab Mitte der 1930er-Jahre ihre Wohnung für illegale Treffen von Regimegegnern zur Verfügung. Später produzierte und verteilte sie gemeinsam mit Mitstreitern Flugblätter gegen das NS-Regime. 1941 wurde sie von der Gestapo festgenommen.

Die heutige Rote Hilfe ist nicht dieselbe Organisation. Der Berliner Verfassungsschutz spricht lediglich von einer historischen Bezugnahme auf den damaligen Verein. Dazwischen liegen dessen Zerschlagung in der NS-Zeit und mehrere Jahrzehnte ohne eine vergleichbare bundesweite Organisation.

Neue Gruppen – und die RAF

Erst Anfang der 1970er-Jahre entstanden in Westdeutschland wieder mehrere Gruppen unter dem Namen Rote Hilfe. Sie unterschieden sich politisch zum Teil deutlich voneinander. Einige standen kommunistischen Parteien nahe, andere kamen aus der undogmatischen Linken, eine Strömung innerhalb der politischen Linken. Aus KPD/ML-nahen Gruppen entstand Anfang 1975 die Rote Hilfe Deutschland, aus der sich später der heutige Verein entwickelte.

Gerade wegen der Solidarität mit inhaftierten Mitgliedern der RAF waren die damaligen Rote-Hilfe-Strukturen heftig umstritten. Gruppen unterstützten Gefangene, griffen deren Erklärungen auf und beteiligten sich an Protesten gegen ihre Haftbedingungen.

Im Mittelpunkt stand damals auch der Streit über die Haftbedingungen der RAF-Gefangenen. Mehrere Inhaftierte saßen zeitweise weitgehend getrennt von anderen Gefangenen und protestierten dagegen mit Hungerstreiks. Sie bezeichneten die Bedingungen als "Isolationsfolter". Wie diese Haftbedingungen zu bewerten waren, war schon damals umstritten.

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Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Belegt ist die Unterstützung von Gefangenen und Kampagnen rund um deren Haftbedingungen. Daraus folgt nicht, dass die Rote Hilfe die Terroranschläge der RAF organisiert oder finanziert hätte. Die verschiedenen Rote-Hilfe-Gruppen jener Jahre waren zudem politisch zerstritten und keineswegs eine einheitliche Organisation.

Aus der 1975 gegründeten Roten Hilfe Deutschland entwickelte sich schließlich der heutige Verein. 1986 verschwand der Zusatz "Deutschland" aus dem Namen; seither firmiert die Organisation als Rote Hilfe e. V.

Für die Debatte um Eralp ist vor allem eine Trennung wichtig: Die Behörde beobachtet und bewertet den Verein. Eine Mitgliedschaft allein bedeutet nicht, dass ein einzelnes Mitglied dessen politische Positionen vollständig teilt oder selbst als verfassungsfeindlich gilt. Eine entsprechende persönliche Einstufung Eralps durch den Verfassungsschutz ist nicht bekannt.

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