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Bulgarien-Wahl heute: Rumen Radew gilt am Sonntag als Favorit – alle Infos

1 month ago 24

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Wahl am Sonntag

Wackelkandidat: Droht hier der nächste Orbán?

Von afp, reuters, t-online, pri


Aktualisiert am 19.04.2026 - 15:42 UhrLesedauer: 4 Min.

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Rumen Radew (l.) mit Wladimir Putin (Archivbild): Bulgariens pro-russischer Ex-Präsident führt die Umfragen vor der Wahl an. (Quelle: imago)

Ex-Präsident Radew geht als Favorit in die Wahl in Bulgarien. Doch der Weg ist weit. Experten fürchten russische Manipulationen. Schließlich ist die Ukraine wichtiges Thema der Wahl.

Am Sonntag geht die Bevölkerung Bulgariens zum achten Mal innerhalb von fünf Jahren zur Wahl. Die politische Lage in dem Land ist verfahren. In Umfragen führt der ehemalige Kampfpilot und Ex-Präsident Rumen Radew. Politisch lässt er sich nur schwer in ein Schema pressen. Allerdings: Radew sieht Waffenlieferungen an die Ukraine kritisch und spricht sich für die Wiederaufnahme bulgarischer Beziehungen mit Russland aus.

Droht nach der Abwahl von Viktor Orbán in Ungarn die nächste Kiew-kritische Regierung in der EU? Ein Blick auf die Abstimmung, das Land und den möglichen Gewinner.

Das Land: Kampf gegen Korruption und demografischen Wandel

Bulgarien ist seit 2004 Mitglied der Nato, 2007 trat das Land der Europäischen Union bei. Seither stellen die Bulgaren immer wieder Spitzenpersonal in internationalen Organisationen. Die bulgarische Top-Ökonomin Kristalina Georgiewa ist derzeit Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), zuvor war sie EU-Kommissarin in Brüssel.

Das Land fühlt sich nicht zuletzt wegen der kyrillischen Schrift und der christlich-orthodoxen Religion mit Russland verbunden. Neben Korruption und einer schwächelnden Wirtschaft ist der demokratische Wandel ein dringliches Thema. Bulgarien zählt derzeit rund 6,5 Millionen Einwohner, rund ein Viertel weniger als bei der Wende 1989. Damit hat das Land den größten Bevölkerungsrückgang in der EU.

Eine verlorene Generation junger Menschen, die das Land verlassen haben, zurückzuholen, ist eines der wichtigsten Themen im Land. Dazu kommen die schwächelnde Wirtschaft und hohe Inflation. Zum 1. Januar 2026 führte Bulgarien den Euro ein. Nach heftigen Protesten wegen Teuerung und Inflation war die Regierung kurz zuvor zurückgetreten.

Auch Radew gab sein Amt auf. Aber nur, um als Spitzenkandidat einer neuen Mitte-links-Allianz bei der Parlamentswahl anzutreten.

Bulgarien-Wahl: Der Favorit Rumen Radew

In Umfragen führt der ehemalige Kampfpilot und Ex-Präsident Rumen Radew, der bei der Wahl als Spitzenkandidat des Mitte-links-Bündnisses Progressives Bulgarien antritt. Umfragen zufolge unterstützen etwa 30 Prozent der Wähler das Bündnis. Doch ist der Weg weit. Auch, weil Radew ein sehr heterogenes Bündnis anführt, dem auch liberale Kräfte angehören.

Radew lässt sich schwer in ein politisches Schema pressen. So gewann er viele liberale, pro-europäische Wähler für sich, als er sich 2020 bei Protesten gegen Korruption auf die Seite der Demonstranten stellte. Er verließ den Präsidentenpalast mit erhobener Faust und schloss sich den Protestkundgebungen an, die ein Jahr später schließlich den konservativen Regierungschef Bojko Borissow zu Fall brachten. 2021 wurde Radew mit zwei Dritteln der Stimmen als Staatsoberhaupt wiedergewählt, ein Amt mit weitgehend repräsentativen Funktionen. Im Januar gab er es aus politischem Kalkül auf, um sich bei der Parlamentswahl als Regierungschef zu bewerben.

Analysten zufolge ist Radew der Erste, dem es gelungen ist, die bis dahin stark zersplitterten Überreste des linken Lagers unter einem Dach zu vereinen. Seine Haltung spreche "sowohl ein euroskeptisches und russlandfreundliches Publikum" als auch junge Menschen in ländlichen Regionen an, sagt Borjana Dimitrowa vom Meinungsforschungsinstitut Alpha Research.

Der ehemalige Spitzenmilitär will sein Land nach eigenen Angaben "von seinem oligarchischen Regierungsmodell befreien". Die Proteste gegen Korruption und Preisteuerung zum Jahreswechsel unterstützte er offen. Im Korruptionswahrnehmungsindex der Organisation Transparency International landete Bulgarien zuletzt auf dem letzten Platz unter den EU-Mitgliedstaaten.

Der Herausforderer bei der Bulgarien-Wahl: Bojko Borissow

Rumen Radews größter Konkurrent ist das konservative Mitte-rechts-Bündnis GERB-SDS des ehemaligen Regierungschefs Bojko Borissow. Es unterstützt die Ukraine und die Politik Brüssels und kommt in den Umfragen auf 20 Prozent.

Seit Borissow 2021 durch Proteste gegen die Korruption im Land zu Fall gebracht wurde, hat keine Regierung in dem ärmsten EU-Mitgliedstaat länger als ein Jahr gehalten. Auch die letzte Regierung unter GERB-Führung trat im vergangenen Dezember zurück – nachdem es zuvor ebenfalls Demonstrationen gegen die Korruption im Land gegeben hatte.

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Die Ukraine: Umkämpftes Wahlkampfthema

Borissow und Radew unterscheiden sich gravierend in ihren außenpolitischen Positionen. Radew weiß zwar um die Vorteile, die Bulgariens EU-Mitgliedschaft mit sich bringt, er heißt allerdings nicht alle Maßnahmen Brüssels gut. Gleichzeitig fordert er eine Wiederaufnahme des Dialogs mit Russland. "Wir sind der einzige Mitgliedstaat der Europäischen Union, der sowohl slawisch als auch orthodox ist", so Radew im Interview. "Wir können ein sehr wichtiges Glied in diesem gesamten Mechanismus sein, um die Beziehungen zu Russland wiederherzustellen. Radew argumentierte, es sei "unmöglich, langfristige Sicherheit einzig auf Konfrontation aufzubauen".

Waffenlieferungen für die Ukraine sieht Radew ebenfalls skeptisch; ein von der seit Februar amtierenden Übergangsregierung unterzeichnetes zehnjähriges Verteidigungsabkommen mit Kiew kritisierte er scharf. Seine Gegner werfen Radew vor, zu russlandfreundlich zu sein.

Angesichts der Gefahr einer Einmischung Russlands in den bulgarischen Wahlkampf hat die Übergangsregierung auch die Aktivierung des EU-Frühwarnsystems beantragt, das Mitgliedstaaten helfen soll, Desinformationskampagnen entgegenzuwirken. Radew verurteilte den Schritt – und warf der Regierung vor, das Wahlergebnis diskreditieren zu wollen.

Und so strickt Radew bereits vor der Wahl an einer Legende. In einem seiner wenigen Interviews sprach er zu Wochenbeginn vom "Rumänien Modell". Zur Erinnerung: In Rumänien war die Wahl vor zwei Jahren nach dem Sieg des radikal rechten, pro-russischen Kandidaten Călin Georgescu annulliert worden. "Ihr Plan ist auf dem Weg", schürte Radew seine eigenen Verschwörungsmythen.

Bilanz: Ein Wackelkandidat

Beobachter erwarten nach der Wahl eine langwierige Regierungsbildung in Sofia. "Alles deutet auf eine Koalitionsbildung hin", so Tihomir Bezlow vom Zentrum für Demokratieforschung in Sofia. Seine Warnung: Es sei unklar, wie lange die neue Regierung sich halten werde.

Soziologe Parwan Simeonow sah es vor der Wahl so. Radew sei genauso wie viele andere Staats- und Regierungschefs in der Region, die "je nach Besuchs-Delegation entscheiden, ob sie die ukrainische Flagge im Hintergrund hissen oder nicht".

Viktor Orbán ist bald Geschichte. Doch einfacher dürfte das Manövrieren in der Europäischen Union dennoch nicht werden.

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